Tagebuchbloggen am fünften August

Jeden fünften wieder Frau Brüllens Frage: WMEDGT

Bakfiets HamburgIrgendwann mitten in der Nacht – Der Muckel pennt heute wohl nicht durch, der Groszer geht ihn beruhigen.

Irgendwann später in der Nacht – der Lütte klettert zu uns ins Bett, schläft aber gleich wieder ein.

Zehn Minuten später – der Lütte wacht schreiend auf, er will wieder mit seiner Eisenbahn fahren. Ich bin verschlafen und einigermaßen hilflos. Versuche ihn davon zu überzeugen, dass er nur einfach weiterschlafen muss, dann geht der Traum weiter und er kann wieder mit seiner Eisenbahn fahren. Nicht so toller Vorschlag, findet der Lütte, langsam wird der sauer. Ich versuche ihn zu mir zu ziehen, kuscheln, weiterschlafen und so. Davon wird er RICHTIG sauer. Kreischt, haut, kreischt… Der Krawall ist so groß, dass sogar der Muckel zwei Räume weiter davon aufwacht. Der Groszer geht ihn beruhigen. Als er zurückkommt ist der Lütte immer noch außer sich und ich bin immer noch sehr hilflos. Der Groszer ist ein Fuchs, es gelingt ihm, den Lütten durch das Stellen strategisch günstiger Fragen zur besagten brüllend geforderten Eisenbahn in ein ruhiges Gespräch zu verwickeln. Ich bin erleichtert und schlafe sofort wieder ein, die beiden unterhalten sich noch und schlafen dann auch weiter.

Später, gegen Morgen: der Muckel gnazt, der Groszer… tatsächlich gelingt es wohl ihn noch einmal zu beruhigen. Weil er eh gleich aufstehen müsste macht er sich direkt fertig und geht zur Arbeit. Glaube ich. Ich bekomme von all dem nichts mit.

Viertel vor Sieben. Der Muckel „ruft“ und weil der Groszer ja offensichtlich nicht mehr zur Verfügung steht muss ich selber ran. Wir begrüßen uns überschwänglich, knuddeln rum, machen uns fertig. Jeden Tag zwei Mal das Highlight für den Muckel: Zähneputzen. Im Ernst. Ich hab auch keine Ahnung, was mit dem Kind nicht stimmt, sonst wirkt er eigentlich ganz normal.

Der Muckel mampft zwei Käsebrote weg, ich trinke einen Kaffee. Danach verteilt der Muckel großflächig Lego im Wohnbereich und stößt dabei auf die Bauklötze. Die stapelt er dann hingebungsvoll zu einem Türmchen nach dem anderen. Das ist eine neu erworbene Fähigkeit und deshalb noch ziemlich hip, ich kann also kurz machen was ich will. Ich gucke auf mein Telefon. Wenn mein Typ gerade nicht akut verlangt wird lese ich da oft Blogs. Und checke Instagram. Und zwar zu oft. Wird mir dann mal wieder unangenehm bewusst und ich setze mich zum Muckel auf den Teppich. Er freut sich sehr, dass seine Mutter ihm doch noch Beachtung schenkt, wir knuddeln rum, machen Faxen. Irgendwann fällt mein Blick auf die Uhr…

Viertel vor Acht. Wieso denn das jetzt plötzlich. Wir gehen den Lütten wecken, die Kinder führen einen Tanz auf als hätten sie sich seit Tagen nicht gesehen. Sie müssen jetzt sofort „verstecken“ spielen, meine Vorstellungen (Zähneputzen, Anziehen…sowas) kann jetzt echt keine Rücksicht genommen werden. Irgendwie schaffe ich es doch den Lütten soweit herzurichten, dass man ihn im Kindergarten abliefern könnte. Dauert auch nur so bis Viertel nach Acht.

Halb Neun. Wir schaffen es dann auch mal vom Hof und gerade noch so in den Kindergarten, dass der Lütte dort noch Frühstück bekommt und sein Tag also nicht völlig zerschossen ist. Besonders sorgfältige Verabschiedung weil er heute Nachmittag von Schwiegermuttern bespasst wird. Jetzt schnell das obligatorische Rosinenbrötchen besorgt und ab nach Hause, der Muckel blinzelt schon.

Neun. Der Muckel ist am einpennen, ich lese währenddessen. Zwei Seiten, da ist das Kind auch schon im Land der Träume. Ich lese noch ein bisschen weiter, ist grade ziemlich fesselnd.

Dann Tee und Rosinenbrötchen. Ich habe neulich die Küchenschränke aufgeräumt und bin auf große Teevorkommen Vorräte an Schwarzem Tee gestoßen die es jetzt abzubauen gilt. Dazu fahre ich den Computer hoch. Erst mal ne Weile unmotiviertes Gedaddel, Facebook und so, e-Mails lesen, die ich die letzten Tage bei Erhalt „weggedrückt“ hatte, sowas alles. Langsam schalte ich von Autopilot um auf bewusstes handeln, beantworte ein paar e-Mails und führe zwei Telefonate, räume den Tisch ab, so´ne Sachen. Besonders effizient genutzt hab ich meinen Morgen trotzdem nicht, denn plötzlich ist es

Viertel nach Elf. Der Muckel macht dadada im Babyphone, Mutter zum Appell. Wir gehen zusammen runter. Er spielt ich rühre Brei an und koche Kaffee. Obwohl er eigentlich kein Breibaby mehr ist, bekommt er noch einen Hirsebrei vormittags um unseren sehr geringen Fleischkonsum auszugleichen. Ich bekomme einen Kaffee um einen sehr geringen Schlafkonsum auszugleichen. Danach haben wir es plötzlich eilig, sowohl die Bücherhalle als auch der Markt schließen um Eins.

Fünf nach Zwölf kommen wir aus der Tür, es beginnt gerade leicht zu nieseln. Ich hab keinen Bock umzudisponieren, beschließe, dass es bestimmt sofort wieder aufhört und schnalle den Muckel im Fahrradsitz an. Dabei nieselt es schon ein bisschen stärker. Ich spanne den Wetterschutz über den Muckel. Das hört ganz sicher sofort wieder auf.

Zehn nach Zwölf schaffe ich es grade eben so auf einen überdachten Stellplatz am Markt, bevor es richtig losgeht. Den Muckel packe ich mir in die Babytrage, halte mein Jäckchen über unsere Köpfe und flitze so die Stände ab. Direkt weiter in den Supermarkt. Dort wird gerade unter laufendem Betrieb umgebaut, dem entsprechend dicht stehen die Regale zusammengedrängt und von Besuch zu Besuch ändert sich der Aufenthaltsort der von mir bevorzugten Produkte. Trotzdem geht alles schneller als gedacht um

viertel vor Eins stehen wir wieder vor dem Laden, es hat aufgehört zu regnen und es langt noch kurz für die Bücherhalle. Hatte ich gedanklich schon auf nachmittags verschoben. Am „indischen“ Schnellimbiss nehme ich eine Portion Beef Curry mit, ich nutze die Abwesenheit des Lütten gerne um heimlich derlei Sauereien zu essen. Schnell und trockenen Rades nach Hause, manchmal hat man einfach Glück.

Zu Hause verteilt der Muckel das Lego noch ein bisschen in die hintersten Ecken, ich esse und mache nebenbei das Mittagessen für den Muckel fertig.

So um zwei gibt es gebratene Zucchini und Dinkelnudeln. Anscheinend mag er aber keine Zucchini mehr. Die Nudeln stellen allerdings kein Problem dar. Komisch.

Kurz vor drei scheint die Sonne wieder und wir machen uns wieder auf den Weg. Besorgungen im benachbarten Stadtteil machen. Dinge die Bahnfahren und Buggyschieben erfordern erledige ich vorzugsweise in Abwesenheit des Lütten. Am DB-Schalter kann mir nicht geholfen werden aber wenigstens bekomme ich in den anderen Geschäften wonach ich suche. Unter anderem Kala Namak (ich will endlich diesen Eiersalat machen) und Apfelpektin (ich will Marmelade mit hohem Fruchtanteil und ohne Konservierungsstoffe machen).

Um fünf herum sind wir wieder zu Hause. Ich sammle im Garten noch ein paar Mirabellen ein und ernte die allerersten Tomaten. Bisher hatte der Muckel noch spitzenmäßige Laune, hat aus dem Buggy herausgegiggelt und gelabert aber jetzt fällt ihm wohl auf, dass der Vier-Uhr-Snack ausgefallen ist. Alls ich ihn drinnen auf den Boden setze flitzt er sofort zu seinem Hochstuhl und versucht hineinzuklettern. Oups. Ich reiche ein oder drei Käsebrote und die Tomaten. Die Tomaten schmecken angeblich grässlich. Ess ich sie halt selbst, der Muckel bekommt ein paar Paprikastückchen, die scheinen ok zu sein. Weil die nachmittägliche Obstmalzeit ausgefallen ist gibt es noch die Mirabellen als Nachtisch. Die liebt er allerdings seh, da klettert er mir fast über den Tisch entgegen, wenn ich sie nicht schnell genug rüberreiche. Nebenbei mache ich etwas, was ich wärend des Essens echt ganz schlimm finde: herumwhatsappen. Andrea und ich wollen später noch ins Open Air Kino, da gibt es noch ein paar Feinheiten abzustimmen.

Um kurz vor sechs habe ich ein schlechtes Gewissen, weil der Muckel heute so viel durch die Geschäfte geschleift wurde und ich gerade auch noch so viel am Telefon war. Ein bisschen Natur wäre schön, denke ich ganz naiv, packe den Muckel ins Fahrrad und fahre Richtung Dove Elbe. Wir schaffen keine 300 Meter da ist der Muckel eingeschlafen. Oh verflucht. Weil das jetzt auch schon egal ist fahre ich weiter. Ich sammle ein paar Brombeeren und es ist wirklich sehr idyllisch, die Abendsonne, das Wasser, die Blässhühner… Und Bam! ist es

zu spät, der Groszer und der Lütte sind schon zu Hause. Ich versuche den Muckel schlafend in sein Bettchen zu transferieren, der ziemlich (verdächtig, wie ich inzwischen weiss) wache Lütte vereitelt meinen Plan.

Viertel nach sieben bin ich ja eigentlich schon eher spät dran aber voller Hoffnung, dass das zu Bett bringen des Lütten gleich sehr schnell gehen wird.

Irgendwann, nach endlosem Gehampel entlässt mich der Lütte gnädig „Mama, Du kannst jetzt nach unten gehen“. Aha. War ihm wohl auch klar, dass das nichts mehr wird mit uns beiden heute Abend. Mein Blick fällt auf die Uhr.

Zehn vor acht. Sch****, ich bin ja echt spät dran. Schnell ein paar Sachen zusammensuchen und los. Noch mal zurück: Pullover für Andrea vergessen. Wir treffen uns an der S-Bahn und fahren zusammen weiter ins Reiherstiegviertel. Wir wollen auf ein schnelles Abendessen in die Tonne. Uncool: es geht nicht schnell. Voll cool: wir können das essen mitnehmen und kommen noch einigermaßen pünktlich:

Ungefähr um halb zehn sind wir am Einlass. Ausverkauft. Kein Wunder bei DEM Film*
. Macht aber nichts, das Team ist gerade fleißig dabei die Reihen mit weiteren Stühlen und Bierbänken zu verlängern und der Eintritt ist auch noch ermäßigt. Wir essen, hören dabei Musik, trinken warmes Bier – der Andrang hat auch die Bar völlig überrumpelt, direkt vor mir gingen anscheinend die letzten beiden gekühlten Flaschen über den Tresen. Macht ebenfalls nichts. Die Atmosphäre ist so toll, alles sind so wahnsinnig gut drauf, der Abend ist sowas von lau, der Film grandios… kaum zu glauben, dass das ein Regie-Erstling gewesen sein soll.

Ganz schön spät: wir lassen das Pfand Pfand sein, erwischen den nächsten 13er, an der S-Bahn verabschieden wir uns und ich habe Glück, heute passen die Anschlüsse wie sie sollen und…

Um viertel nach zwölf bin ich zu Hause, Feierabend.

Am nächsten Tag erfahre ich, dass auch der Lütte nachmittags einen Power Nap von zehn Minuten eingelegt hatte. Er hat noch durchgehalten bis um neun, der Muckel bis um halb zehn.

Fazit des Tages: Minimaler Erledigungsstress und viel Idylle für mich, maximal anstrengender Tag für der Groszer. Außerdem leite ich aus verschiedenen Experimenten folgende Formel ab: in jeder Minute die eines unserer Kinder nach 14 Uhr schläft, generiert es Energie die es abends 10 bis 15 Minuten länger durchhalten lassen. Gute Nacht.

Bisherige fünfte wären z.B. der mit dem Besuch oder der mit dem Brot oder auch dieser hier, der schon morgens um halb vier anfingOpen Air Kino Wilhelmsburg .

 

 

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2 Kommentare zu “Tagebuchbloggen am fünften August

  1. Hach, ich liebe dein Tagebuchbloggen! Das hört sich immer so beschwingt an – trotz aller Alltagsstolpersteine. Ich unternehme ja auch immer mal einen Anlauf, den 5. mitzumachen, finde meinen Tag dann aber immer grottenöde. Bei dir hört sich das immer interessant an :-) Kannst halt gut schreiben.
    Grüßele!

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