Tagebuchbloggen am Nikolaustag – mal wieder

Sechspunktirgendwas: der Lütte kuschelt mich wach. Dann flüstern wir auch (heute Abend kommt der Nikolaus!) und dann KANN der Lütte nicht mehr flüstern und wir beschließen aufzustehen. Den Muckel lassen wir weiter pennen, der wird (zu Recht!) ungnädig wenn man ihn weckt und weil hier alle in verschiedenen Stadien der Erholung nach fieser Erkältung sind, sollte er auch wirklich so viel Schlaf bekommen wie man ihm nur zugestehen kann.

7.15 Der Lütte bespielt im Wohnzimmer die aktuelle Eisenbahntrasse, ich koche Kaffee + weiche mein Müsli für später ein.* Während ich so meinen Kaffee schlürfe gucke ich auf die Todo-Liste in meinem Kalender. Heute ist „shipping day“ aber insgesamt sieht das alles recht machbar aus. Ich fange schon mal an eine Schachtel zurechtzuschneiden für diese eine Bestellung, die diesen einen Artikel beinhaltet, für den alle meine „normalen“ gehorteten Verpackungen nichts taugen.

7.45 Es nützt nichts, der Muckel muss geweckt werden. Weil ich feige bin schicke ich den Lütten schon mal vor. Als ich ein paar Minuten später dazu komme, sind die beiden selig am herumbrüdern. YES. Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert. Vermutlich weil das so selten eintritt. Brüdern, kuscheln, muckeln und dann dem Muckel die fürchterliche Nachricht unterbreiten, dass er jetzt WIRKLICH aufstehen muss. Gemaunze. Jetzt kommt direkt so eine tolle Situation, wo ein Plan NICHT aufgeht: ich versuche den Muckel damit zu locken, dass ER heute an der Reihe ist ein Säckchen des Adventskalenders zu öffnen. Also NACH dem Kindergarten halt. Das Kind echauffiert sich sehr, sooooo laaaange kann es auf gar keinen Fall warten. Logo. Mein Fehler. Was muss ich ihm das auch unter die Nase reiben, und das noch bevor er in der Senkrechten ist?

8.00 Bad und so.

8.18 Bad und so verlief erstaunlich kooperativ, der Muckel hat bemerkt dass er in Top-Laune ist, wir sind aber trotzdem schon ziemlich spät dran. Weil das Fahrrad was ganz figelinsches am Ventil hat (Klartext: ich hab es kaputt gemacht) muss es dringend (heute noch) in die Werkstatt. Wir machen einen beschwingten kleinen Spaziergang zur Bushaltestelle und schauen uns den spektakulären Raureif an, mit dem heute Morgen jede noch so kleinste Kante, jedes Spinnennetz und die meisten Oberflächen überzogen sind.

8.32 Haarscharf noch rechtzeitig zum Kindergartenfrühstück, jetzt aber zackig.

8.50 Durchgefroren wieder zurück zu Hause. Den Rückweg bin ich zu Fuß gegangen. Noch mehr Kaffee und ein Foto von der weißen Pracht bei Instagram hochladen:


Irre, oder? Noch viel mehr Kaffee und dazu die Pfannkuchen von gestern.

9.15 Jetzt aber echt mal was arbeiten. Ich checke die diversen Kanäle, beantworte möglichst viele E-Mails und Anfragen, streue ein paar Links. Dann mache ich mir eine Zusammenfassung und arbeite die Bestellungen vom Wochenende ab.

13.40 Nur noch schnell die Zollzettel… Mist. Vordrucke alle und definitiv keine Zeit mehr.

12.43 An der Ampel habe ich rot und mein Bus grün. Pech. Ich könnte jetzt auf den nächsten warten, aber wenn ich das mache kommt garantiert 10 Minuten lang keiner. Also zu Fuß, passt schon, es herrscht herrlichster Sonnenschein.

12.53 Ich finde die Kinder draußen vor, wie angenehm, kann ich an „Draußenzeit für die lieben Kleinen“ schon einen Haken machen. Wir gehen rüber zum Kiosk, ich schnorre die Mitarbeiterin am Tresen um ein paar Zollzettel („C 22 wäre gut, zur Not nehme ich aber auch C 23“) an und nach einigem an Gekrame zieht sie ein grünes Blöckchen unter einem eingeklemmten Schubladeneinsatz hervor. Ich fülle die Dinger nach bestem Wissen und Gewissen aus, bringe sie deutlich sichtbar an und überlasse das Werk meines produktiven Morgens seinem Schicksal. Ab zum Bus.

Auf dem Weg vom Bus treffen wir meine Lieblingsnachbarin Frau B. die gerade auf ihrem Fahrrad angeflitzt kommt. Frau B. ist ein gutes Stück über 80 und wenn ich mich in dem Alter noch so mühelos nach einem verirrten Grashälmchen bücken kann, dann hab ich´s echt geschafft. Kleiner Klönschnack unter Radfahrern, ich werde angemessen bemitleidet weil mein Rad nicht fahrbereit ist. Dann wird den Jungs kalt und wir machen, dass wir heim kommen.

13.30 Der Muckel darf endlich sein Adventskalenderbeutelchen öffnen. Drin ist: so ein kleiner Plastik-Fernseher zum Bildchen anschauen. Kennt Ihr das noch? Neulich mit Andrea auf dem „Vintagemarkt“ (die Kampnagelsche Version des klassischen Trödels, empfehlenswerte Veranstaltung) entdeckt. Inzwischen weiß ich auch, dass die Dinger eine deutsche Erfindung sind und dass sie korrekt „Plastiskop“ heißen. Das Internet ist cool. Aber ich schweife ab. Der Muckel hat jetzt also ein Plastiskop und er liebt es. Weil er a) eh noch nicht viel Ahnung vom Fernsehen hat und b) die Fernseher heutzutage ja eh völlig anders aussehen, hält er es für einen Fotoapparat. Die nächste fotografiert er wild in der Gegend herum, manchmal darf der Lütte auch kurz. Ich hocke bei den beiden im Wohnzimmer und stricke ein bisschen an einer Socke für den Lütten weiter. Wenn sie irgendwann fertig ist hab ich drei paar für den Lütten gestrickt, dann folgt noch eines für den Muckel und dann hab ich vermutlich keine Lust mehr und stricke trotzdem noch eines für der Groszer. Ob die angestrebte Autarkie in Sachen Sockenschubladen hier im Hause wohl je erreicht werden wird?

14.00 Mal wieder was tun. Erst mal den Gatten anrufen, ob das später alles so hinkommt, wenn ich das Rad noch wegbringen will? Tut es. Bisschen herumräumen, bisschen Haushalt, noch vor der Tür (wieso ist denn das plötzlich wieder so derart kalt?) am neuen Prototypen herumschleifen (hi Andrea, er ist fertig und auch sehr schick, das war eine ausgesprochen gute Idee von Dir!). Dann werfe ich die Nähmaschine an um das Weihnachtsgeschenk für den Neffen fertigzustellen (er bekommt dieses Jahr unter anderem seinen Adventskalender für nächstes Jahr, er ist erst eins, da kann man noch solche Deals unter Schwestern machen). Zack, hab ich zwei Kinder hier, die ihre Hochstühle in Position schieben um auch ja alles ganz genau mitzubekommen. Löblich, aber bevor wir hier bei der Nähmaschine aufs Gas treten bring ich denen noch stricken bei. SOCKEN stricken. Ich jage also die neulich bedruckten Beutelchen durch die Maschine, als ich fertig bin schneide ich die Nahtzugaben zurück, der Lütte wendet und der Muckel fotografiert uns dabei. Fair.

15.45 Obstpause. Mit Illumination durch Adventskranz. Mandarine, Birne, Apfel, Plätzchen. Der Lütte ist übrigens dran mit auspusten, da darf man sich nicht vertun, der Muckel hat das voll im Blick.

Kurz nach 16.00 Der Groszer kommt heim, die Jungs stürzen ihm entgegen. Während er vorne das Haus durch die Haustür betritt strecke ich nochmal eine Hand zur Küchentür raus. Das mit dem Fahrrad ist ganz klar doch nicht so eilig. Anmerkung: keinen juckt es, wer die Kerzen auspustet.

Die  Herren spielen Brettspiele, ich bring mal eben den Müll raus, gucke nochmal auf die Liste. Wichtigster Punkt, den ganzen Tag verdrängt: Nikolaus-Kram. Meine Eltern haben ein Paket geschickt, es enthält vermutlich die verschiedensten Dinge, ganz sicher aber die Geschenke die zu besorgen sich meine Eltern und meine jüngste Schwester nicht haben nehmen lassen. Weshalb der Groszer und ich jetzt nichts mehr schenken. Just saying. Ich nutze also die Gunst der beschäftigten Stunde und öffne das besagte Paket. Ein paar Bücher (coole neue** und weniger dringende alte – G.A.S** liegt hier doppelt vor, mag es jemand geschenkt haben?), ein paar aussortierte Klamotten zur Weiterverarbeitung, die gesuchten Geschenke, je ein 10-Liter-Eimer mit getrocknetem Obst und getrockneten Kräutern!?! Jesus. Es passiert immer wieder. Ich erzähle meinem Vater, dass ich dieses oder jenes schon ganz gut finde und er stattet mich daraufhin aus. Auf Jahre. Um das zu verbrauchen werde ich ab jetzt täglich 3x kochen müssen, dazwischen gibt es 2 bis 3x ein Müsli als „Snack“. Die nächsten anderthalb Stunden bis zum Abendbrot schneide ich gedörrtes Fruchtmus in müsligerechte Stückchen.

18.10 Ich hab `ne Blase am Zeigefinger, die rechte Schulter schmerzt, da sind noch zwei Tüten mit Apfelringen zu verarbeiten aber jetzt ist Abendbrotzeit. Der Muckel ist dran mit Kerzen auspusten. Wir broten, unterhalten uns über den Nikolaus, der Lütte nimmt auch noch eine vierte Scheibe Brot, der Groszer macht sein Vesper für morgen fertig, ich schneide Apfelringe und der Muckel fotografiert uns.

18.40 Gleich Schlafenszeit, vorher müssen noch die Stiefelchen raus gestellt werden. Die Kinder sprinten los, wer die Kerzen auspustet interessiert SCHON WIEDER niemanden. Na wenn das mal morgen nicht zu fatalen Verwirrungen führt. Wir stellen also die Stiefel vor die Tür (nur die Kinder, in diesen Dingen sind der Groszer und ich eher so pragmatisch-erwachsen, man könnte auch sagen: langweilig) und der Lütte mal sich aus, was da wohl heute Nacht so gebracht werden wird. Ein Schokoladennikolaus, ein großer (ein kleiner, pseudo-guter), Nüsse (na logen), Mandarinen (WAS? ich dachte, da es die die ganze Woche schon überall gab, wären die völlig uninteressant?), vor allem Mandarinen wären toll. Argh.

Die Herrschaften ziehen ab nach oben, ich fange an den Stiefelinhalt zusammenzusuchen, finde nur die Hälfte. Den Rest hat der Groszer versteckt, als er damit von der SEINER Mutter ankam, die es sich nicht nehmen lassen wollte, ihren Jungs etwas Schokolade zu besorgen. Weshalb auch hier von uns nichts weiter bereitgestellt werden muss. Blöderweise hat keine der Omas ein Netz Mandarinen vorbeigebracht. Ich bastle also kleine Tütchen, befülle sie mit Nüssen, Schleifchen dran, was man so macht… richte mich am Küchentisch ein, bisschen was arbeiten, gleich noch tagebuchbloggen…

20.10 ich lege dem Groszer `nen Zettel hin und gehe Mandarinen holen. Der Bus hat wieder grün als ich rot habe, ich gehe wieder zu Fuß, dieses Mal fahren noch zwei weitere seiner Art an mir vorbei während ich rüber in die Großwohnsiedlung stapfe, wo der Supermarkt noch bis 22.00 Uhr geöffnet hat. Mir fällt auf WIE gut gelaunt ich irgendwie den ganzen Tag schon bin: nicht einmal diese himmelschreiende Ungerechtigkeit bringt mich zum fluchen. Nice, sogar obernice. Im Supermarkt sind die Mandarinen in Bio grade aus, der Mitarbeiter der mir das mitteilt guckt schon als hätte er Angst, dass ich gleich auf ihn los gehe. Mit der Gruppe der Bio-Mandarinen-Käufer an sich sollte man sich besser nicht anlegen, so scheint es. Ich kaufe die anderen, diese schicken mit den Blättchen dran die mein Papa früher immer zu den Adventssonntagen aus der Feinkostabteilung seiner Arbeit mitgebracht hat. Total überzogen, aber ich denke mir, wenn das damals so einen Eindruck bei mir hinterlassen hat, dass ich mich heute noch gerne daran erinnere, sollte ich das für die Kinder vielleicht auch mal machen. Es geht voll mit mir durch und ich kaufe für jeden noch eine Kiwi und ein paar dieser Mini-Bananan. Die werden AUSFLIPPEN morgen. Bananen kaufen wir sonst nienienie, die gibt es nur bei Oma und im Kindergarten. Und jetzt auch vom Nikolaus. In mini. An der Kasse stellt eine Tussi sympathische junge Frau ihre Plastikflasche mit dem Energy-Drink aufs Band. Die Flasche fällt um und sie STELLT SIE WIEDER HIN. Echt war. Ich muss mir hart das Lachen verkneifen.*** Als die Flasche wieder umfällt, legt sie sie doch hin. Quer zur Laufrichtung des Bandes. Wirklich. Es handelt sich dabei um die gleiche junge Frau die beim Verlassen des Ladens lautstark kommentiert, dass „die jetzt echt den Karton mit nach Hause nimmt“. Ja aber sicher doch, und nicht nur heute meine Liebe, da kenn´ich nix.

21.00 Zu Fuß zurück, gar nicht erst versucht den Bus zu nehmen.

21.15 Der Groszer sitzt im Wohnzimmer und liest, zum Glück erinnert er sich sofort daran, wo genau er die Schokolade versteckt hat. Wir bauen alles auf, ich fange an das hier zu tippen. Der Groszer verabschiedet sich mit einem Schmatzer auf die Wange ins Bett und merkt noch ganz stolz an, dass er extra meiner Tagebuchtippereien heute die automatische Abschaltung des Routers abgeschaltet hat. Ich artikuliere meine Freude darüber, er geht schlafen.

Tipperei

23.26 Ich will gerade nebenbei online nachsehen, wieviel „freien“ Zucker eigentlich die DGE für Kinder als tägliches Maximum empfiehlt (bin wohl grade an der Stelle mit der Schokolade angelangt, es sind übrigens 25g/Tag), da säuft das Internet ab. So viel dazu. Netzwerkkabel rausgesucht, Notebook eingestöpselt, fertig getippt, Feierabend!

 

Mehr Tagebucheinträge gibt es hier oder in der Sammlung von Frau Brüllen dort.

 

*Spoiler: während ich das tippe fällt mir die unberührte Schüssel wieder ein, direkt mal geholt. Es ist jetzt 21:23.

**Buch7-Partnerlink. Ihr wisst wie das läuft. Buchhändler*innen in Eurer Stadt nicht vergessen!

***Grade neulich noch mit Andrea drüber gelästert und jetzt passiert das gleich so dermaßen wie aus dem Lehrbuch? Ich hätte das so gerne gefilmt oder fotografiert, aber die Mädels waren zu dritt und zwei von denen hatte das doppelte von meinem Kampfgewicht am Start. Außerdem hat die eine noch hinter mir sowas komisches gemurmelt woraufhin die andere, die ich vom sehen her kannte sowas sagte wie „lass mal, die (also ich) ist immer so“. WTF!? Bin ich jetzt schon stadtteil-weit bekannt? Bin ich wirklich SO seltsam, dass das auffällt, wenn ich harmlos vor jemandem an der Kasse herumstehe? Das mit dem Karton war übrigens später. Und ist es Zufall, dass meine Freundin I.G. mir heute Nachmittag diesen Link hier geschickt hat? Verdammt.

4 Kommentare zu “Tagebuchbloggen am Nikolaustag – mal wieder

  1. Re Prototyp: yeah, yeah, yeah! Ich freu mich – Danke!

    Und bezüglich der Flaschen-Ladies… was für Flaschen… :D Vielleicht sollte man Anleitungen ausdrucken, wie Flaschen aufs Band gelegt werden (es gibt nur eine richtige Lösung) und die in Supermärkten aushängen. Bebildert.

    Hoffe, die Kinder wissen zu schätzen, dass du zu später Stunde nochmal in Sachen Mandarinen unterwegs warst.

    Fröhlichen Nikolaus!

  2. Weißt du, was dann aber die Challenge in Sachen Flaschen aufs Band ist? Flaschen mit Federweißer, also Gärverschluss. Hinlegen ist ja eigentlich nicht, weils raussöppt. Hinstellen ist aber logischerweise auch nicht so prall.

    Im Mäcces (ich hab mir nur nen kleinen Salat geholt :-D) hatte ich auch so ne Neunmalkluge hinter mir. Lautstark: „Ey, Alter! 2 Kassen offen und nur 1 Schlange! Voll die Bildung hier, ey!“ (ich glaube, ihre Freundinnen saßen am Tisch und sie hat sich nur angestellt, um nochmal was nachzuordern). Glücklicherweise hat sich die Person hinter mir direkt umgedreht und sie darauf hingewiesen, dass das ja so viel klüger sei, weil man ja dann an die jeweilig freie Kasse gehen kann. Und ich konnte mir ein „tja, du bist ja auch so schlau, dass du dich dann auch hinten angestellt hast“ nicht verkneifen :-D Da wurde sie dann etwas kleinlauter…

    LG
    Denise

  3. Oh wie gern ich deine 5. lese! Fühle mich, wie immer, königlich unterhalten. Happy Nikolaus Dir. Der Zwerg hatte definitiv mehr als 25 g Zucker heute – Gummiball-Alarm!!!

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