Tagebuchbloggen am fünften Juni – der gehässige

4:20 Ich bin wach. Argh. Wisu denn bluß? Ich wälze mich noch kurz, aber die Wachheit lässt sich nicht wegdiskutieren, steh´ich halt auf, bevor alle anderen auch noch aufwachen.

5:05 Getrappel und Gerappel über mir, dann werde ich gerufen. Verflixt, meine Abwesenheit wurde bemerkt. Ich gehe nach oben, kuschle mich dazu, wir versuchen die Jungs dazu zu bewegen wieder einzuschlafen. Klappt nicht. Ich bin ja eh schon wach und der Groszer guckt jämmerlich, also raffe ich die kleine Meute zusammen und scheuche sie ins Bad.

5:30 Irgendwas mit Lego für die Jungs, Kaffee für mich.

6:10 Den Jungs fällt auf, dass sie noch kein Frühstück hatten. Warme Milch und Käsebrote.

7:39 Dem Lütten dämmert langsam, dass der heutige Tag mit genau so spektakulärem Wetter aufwarten wird wie der gestrige. Er will sofort nach draußen. Ich vertröste ihn auf später „wenn Papa wach ist“.

7:41 „Ich will raus.“

7:47 „Wann gehen wir endlich raus?“

7:49 „Wann steht Papa endlich auf?“

Ich greife zu meiner Allzweckwaffe, dem Kurzzeitwecker. Wenn das Ding in einer Stunde klingelt, darf der Groszer aus dem Schlaf gerissen werden.

Bisschen herumräumen, bisschen Internetgedaddel, irgendwann denke ich auch mal dran Threema zu checken. Weil ich auf meinem Telefon keine Push-Benachrichtigungen aktivieren kann (und will) verstecken sich dort häufig tagelang ungelesene Versuche der Kontaktaufnahme. Heute nur einer und der ist ganz frisch: M. hat Bindehautentzündung (wieso haben das jetzt auch ständig Erwachsene? ist das neu? Epidemie? Ich will das nicht!) und kann heute nicht. Hrm. Jiuti. Ich beglückwünsche mich allerdings, dass ich DIESE Nachricht nicht erst auf dem Weg zum Treffen entdeckt habe.

8:20 Ich trete auf einen Legostein. Passiert mir öfters und jeder weiß, dass die daraus resultierenden Schmerzen fürchterlich sind. Normalerweise, bete ich mir dann immer etwas in der Art „sie sind noch klein, sie können nichts dafür, was erlaubst Du ihnen auch im Wohnzimmer damit zu spielen“ vor. Aber dieses Steinchen ist das Steinchen, das das Fass zum Überlaufen bringt. Ich verfüge, dass das Lego verräumt sein muss bevor später irgendwer auch nur eine kleine Sandale vor die Tür setzt.

8:26 Krasse Schatten an der Wohnzimmerwand, hurtig fotografieren und bei Instagram hochladen.

8:29 Auftritt der Groszer. Yay!

Der Groszer schlürft Kaffee, gleich will er noch Brötchen holen. Beim Wort Brötchen werden die Kinder hellhörig. Sie müssen unbedingt mit zum Bäcker. okay, ABER DAS LEGO. Wir räumen zusammen das Lego und in einem Aufwasch sämtlichen anderen Krust („Schätze“) in die entsprechenden Kästen. Ich bin hellauf begeistert.

So um 9:00 dann Frühstück mit Brötchen, Marmelade und so weiter. Wir machen Pläne für später. Vielleicht schwimmen? Plänkert alles ganz sonntäglich vor sich hin, kaum Zwischenfälle, der Muckel wirkt allerdings etwas launisch. Wir deuten an, dass er vielleicht heute Vormittag noch ein Nickerchen machen sollte. Er reagiert allergisch. Hach, ja nun.

Dann schmeißt der Groszer eine Wäsche an und endlich geht´s nach draußen. Von dort hört man schon das gut gelaunte Kreischen der Nachbarsenkelin. Ich bleibe drin, mache die Küche klar, höre einen Podcast, bisschen Instagram, Rock am Ring wurde abgebrochen? gleich mal gucken wie sich die Bekannten dort schlagen… sehen soweit lebendig und recht tapfer aus.

11:00 Der Groszer + ein sich recht zornig gebärdender Muckel kommen herein, der Lütte verweilt wohl nebenan. Als der Muckel schläft gähnen der Groszer und ich uns ratlos an und dann legen wir uns auch kurz dazu.

So um Zwölf herum, man weiß es nicht genau, klingelt es, der Lütte ist zurück. Ich bekomme mit, dass der Groszer sich der Sache annimmt und schlafe sofort wieder tief und fest ein.

Gegen eins Mittag, noch mehr Brote. Der Lütte ist nicht hungrig. O-ha. noch bevor ich in mein Brot beißen kann hat er den Kopf auf die Tischplatte gelegt und die Augen geschlossen. Ich transferiere (lies: schleppe, er ist inzwischen fast 1,20 groß) ihn rüber auf´s Sofa wo er sich direkt in den Kissen zusammenringelt. Als ich mich wieder an den Tisch setze wirft er sich noch kurz herum: „aber ihr weckt mich wenn Ihr fertig gegessen habt!“, dann tritt er vollends weg.

Sachen zusammenpacken, Apfelschnitzchen* fertig machen…

13:50 … den Lütten wecken. Die Hölle bricht los. Schwimmen gehen will er auf keinen Fall.

Aus verschiedenen Gründen fällt meine Laune ebenfalls ins Bodenlose. Immer wenn ich sehr viel mit den Kindern zusammen war (oh, so wie letzte Woche, zwei mal kein Kindergarten für uns) und sie auch ziemlich launisch sind (so wie letzte Woche, immer schön früh aufgewacht und dazu ein paar aufregende Termine in anderen Stadtteilen, was eigentlich ganz schön war, aber halt auch aufregend…) dann kommt irgendwann der Punkt an dem ich nicht mehr angeschrien werden darf. Das Geschrei macht mir Synapsenfasching. Wenn ich dann mit den Beiden alleine bin, mache ich einfach weiter, was bleibt mir übrig. Wenn der Groszer da ist, verlasse ich den Raum… Ich verlasse also den Raum.

14:40 Das Programm „der Lütte“ wurde doch noch erfolgreich gebootet, wir können los.

So um drei rum im Schwimmbad: WTF?!? Ich stehe diesem ganzen unmotivierten Geplansche ja eh sehr reserviert gegenüber aber sonst ist das hier wenigstens fast leer. Heute nicht. Heute ist das hier so voll, dass sogar das Schwimmerbecken mit diesen großen Perlenschnüren in nette kleine Quadrate unterteilt wurde. In den Quadraten wird fröhlich geplanscht, was sonst. Hasshasshass Ihr gut gelaunten Planscher, EIGENTLICH ist die Tatsache, dass ich da später noch eine viertel Stunde Bahnen ziehen kann mein Lichtblick am Ende einer langen, langen Stunde im Kinderbecken. Ich füge mich in mein Schicksal und lasse mich von fremden Gören mit lauwarmem Wasser bespritzen. Meine eigenen Kinder rutschen und rutschen und rutschen. Bisschen planschen. Rutschen. Auf keinen Fall schwimmen, damit will der Lütte noch nichts zu tun haben.

Schon im Laufe der ersten zehn Minuten stelle ich fest, dass eintritt, was immer eintritt wenn wir als Familie ins Schwimmbad gehen: Zack, ich bin gut drauf. Nicht, dass ich jetzt alles total toll finde, nein, ich schaue schon alle drei Minuten auf die Uhr, ob es denn bald vorbei wäre. Aber ich bin dabei guter Dinge. Es muss einfach daran liegen, dass um mich herum diese ganzen Kleinkinder so dermaßen überglücklich am austicken sind. Oder es ist was hormonelles, das die ganzen niedlichen Kleinen davor bewahren soll von einer wildfremden Irren zusammengeschrien zu werden, weil sie auch beim dritten mal WIRKLICH nicht nassgespritzt werden will. Oder die tun da was ins Wasser. Wie auch immer, ich bin also gut drauf. Ich bewache vom Rand aus den Lütten (nicht dass der mal kurz gucken geht, wie tief genau das „tiefe Becken“ ist), da fällt mir aus dem Augenwinkel ein Szene mit fünf Typen und einer Bademeisterin auf. Ich delegiere den Lütten und gehe mal kurz nachfragen. Tatsache, es ist wie befürchtet, man hatte davon gehört: die Männer haben keine Badehosen (Boxershorts schienen ihnen ausreichend) und nur mit Badehosen darf man hier ins Becken. Ich beschließe dass ich vermutlich reich genug bin um an der Kasse fünf Badehosen zu kaufen. Sieben, wie sich herausstellt, da sind noch zwei Nachzügler. Die Bademeisterin denkt ich spinne, aber sie lässt mich gewähren. Wie ich so mit dem Wortführer der Gruppe an der Kasse stehe, stellt sich heraus, dass ich meinen super-brillanten Plan mal besser hätte überdenken sollen, denn ich habe nicht genügend Cash um hier sieben Badehosen zu kaufen. Ich bin peinlich berührt. Und dann wird alles irgendwie voll nett: Während der Kassierer seine Fundkiste durchgeht taucht die Bademeisterin von grade eben an der Kasse auf, sie hat sich die Boxershorts noch mal angesehen, zwei davon sind als Badehosen völlig okay. Am Ende kaufe ich nur genau eine Badehose und die kann ich mir jetzt wirklich leisten.** Die sieben neuen Badehosenbesitzer freuen sich ziemlich und ziehen die nächste halbe Stunde am Sprungturm eine Riesenshow ab. Der Lütte ist schwer beeindruckt. Wir informieren ihn darüber, dass man richtig gut schwimmen können muss, bevor man da runterhopsen darf. Er will augenblicklich anfangen zu üben. Hätte ich mir ja denken können. Egal was er lernen soll/kann/könnte man braucht gute Argumente dann legt er los. Hoffentlich ist das auch dieses Mal wirklich so und die Motivation hält sich noch lange genug bis er´s tatsächlich kann. Wir hängen noch ein bisschen im Kursbecken ab (wir können da gut stehen, für die Kinder ist es mit 1,30 geradezu verwegen tief und es ist angenehm warm), spielen „schwimmen üben“ und dann aber duschen und ab nach Hause.

17:30 Knapp zu Hause, sieht nach Regen aus. Die Jungs gehen schon mal rein, ich räume kurz alles ums Haus herum zusammen: Sandkasten abdecken, Fahrzeuge in die Garage, Gewächshaus zu.

17:40 Ich decke den Tisch und dann sehen wir dem der Groszer beim Pfannkuchenbacken zu. Plötzlich überkommt es mich:

Ehemann backt Pfannkuchen

Ich konnte nicht anders, ich musste die Füße auf den Tisch legen (der Muckel war entsetzt ob dieses Regelverstoßes ER darf das nie) und die Szene ablichten. Bei Instagram machen die das auch immer so, wenn sie mal vom Gatten Liebsten durch bekochen „verwöhnt“ werden. Machen wir uns nix vor, hier koche fast immer ich und wenn der Groszer 2-4 Mal im Monat Pfannkuchen backt wird sein Beitrag zur allgemeinen Versorgung gerne angenommen aber verwöhnt fühle ich mich dadurch nicht direkt.*** Mal sehen, wenn mir morgen noch der Schalk im Nacken sitzt poste ich das Bild versehen mit #eristeinfachderbeste #hochdiehaendewochenende #teambluewall und #fürmehrrealitätaufinstagram.**** Wenn ich richtig hart drauf bin, behaupte ich, das sei unsere Sonntagmorgentradition. Ich hab den unguten Verdacht, dass ich das lassen sollte. Humor im Internet… Entfolgt Ihr mir dann alle, wegen „zu fies drauf“ und „negativen Vibes“?

18:00 großer Pfannkuchenschmaus

18:40 Die Jungs spielen noch fünf Minuten, der Groszer hängt die Schwimmsachen auf.

18:50 Okay, waren zehn Minuten. Jetzt aber flott.

20:03 Die Kinder schlafen. Zivile Uhrzeit, wenn man bedenkt, dass beide heute Vormittag schon ein Schläfchen hatten.

Tipperei

01:40 Publish + Nachti

Weitere Fünfte die beweisen, dass ich zwar planlos aber sonst eigentlich ganz okay bin gibt es hier, die Brüllensche Sammlung findet sich hier.

 

 

* Ich kann mich nicht dazu bringen das Wort „Apfelspalten“ zu verwenden. Wie sagt Ihr denn so dazu?

** Ich hatte überlegt, diesen Teil hier heute auszulassen, weil ich irgendwann letztes Jahr eine Diskussion mit Freunden hatte, die mich erst darauf gebracht haben, dass man „tu gutes und rede darüber“ auch so interpretieren kann, dass man aus korrektem Verhalten auch Profit für den eigenen Ruf schlagen sollte. Ekelhafter Gedanke. Aber GANZ IN ECHT, da wäre ich nie drauf gekommen. Der Gedanke, dass bei aller Hilflosigkeit Jede*r immer mal wieder die Chance hat das Leben von anderen um eine Kleinigkeit zu verbessern ist doch total wichtig, das ist ein Aspekt unserer harten Realität den man sich und anderen immer mal wieder vergegenwärtigen sollte. Ich meine: 10 Minuten und Fünfzehnneunzig, das war ja jetzt keine Heldentat. Aber dass ein bisschen nett sein anderen vielleicht den Tag retten kann, lässt sich hier nicht von der Hand weisen. Nennen wir es einfach „random act of kindness“. Hab ich selber übrigens auch immer viel Freude dran. So viel zum Thema Altruismus.

*** Passt aber schon, ich will schließlich auch nicht „auf Händen getragen“ werden. Ich hab dieses Ding mit Respekt auf Augenhöhe.

****Kenner*innen wissen, der letzte muss sein wegen des verkrumpfelten Geschirrtuchs und weil ich zu faul war eben das Gerümpel rechts auf der Arbeitsplatte aus dem Bild zu räumen. Die Küche sieht ansonsten immer GENAU SO AUS. Nicht.

 

8 Kommentare zu “Tagebuchbloggen am fünften Juni – der gehässige

  1. Guten Morgen! Und schon ist der Tag, ach was, die Woche besser gestartet. Vielen Dank. Hier herrscht auch schon seit 4:00 Uhr Realität….

    Schwimmen am Sonntag… Pah, was hast du erwartet? :-)

  2. That´s life with kids! So richtig schön beschrieben, da schmerzt mir gleich der eigene Lego-geplagte Fuß und ich hätte gern ein Äpfelchen zum Trost. Es geht wohl allen Eltern ähnlich, die Kinder im nahezu gleichen Alter haben. Und die Freiheiten steigern sich, wenn sie heranwachsen. Auch das ein Trost für mich. Haltet durch und haltet zusammen, alles Gute für Euch und Eure Kids! Eine (noch?) blog- und instalose Schulkinder-Mama

  3. Bei uns gibt es einfach Apfel. Geschnitten und/oder geschält. So.
    Die Story mit der Badehose finde ich einfach nur interessant, weil ich da nämlich nie drauf gekommen wäre. Das erweitert meinen Horizont :-)
    Und ich würde dir niemals wegen Gehässigkeit entfolgen! WORD! (Bei uns siehts übrigens auch immer und überall so aus, wie mein Instagramaccount vermuten lässt. Wir sind die sauberste fünfköpfige Familie der Welt.)
    Und seit wann sieht eure Küche so aus? Also mit ohne Schränke und mit dunkler Wand? Sehr schick!
    So. Alles wie immer sehr unterhaltsam bei dir!
    Schönste Grüße!

    1. Apfel ftw!
      Die Küche sieht so aus seit ich letzten September der Groszer dazu bringen konnte zwei Wochen Urlaub einzureichen und das mit mir durchzuziehen. Mal sehen, vielleicht bekomme ich ja demnächst meine 1001 Projekte unter Kontrolle und zeige sie mal auf dem Blog. Alles DIY und Upcycling und so.
      Grüße zu Euch da drüben!

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