Tagebuchbloggen am fünften Februar 2016

Fledermauskostüm, Tigerkostüm, DIY

6:15 Der Groszer hat heute „ausgeschlafen“ und geht heute mal „später“ los. Vorher weckt er mich aber noch schnell, heute bietet der Morgen eine nette kleine Extraherausforderung: Im Kindergarten ist Faschingsfest.

6:20 Meine Systeme sind soweit hochgefahren (also im gesicherten Modus, es wurde ja noch kein Kaffee eingefügt) und ich will mich gerade aus dem Bett stehlen, da blinzelt der Lütte und erwischt mich. Erst mal Kuscheln.

6:30 Ich darf aufstehen und die gestern unten vergessenen Kostümteile holen gehen, der Lütte ist heiß auf die Party und deshalb Kooperativ. Er braucht aber außerdem noch eine kleine Milch und ein kleines Brot. ´k.

6:45 Ich jongliere ein Knäckebrot (richtiges Brot ist heute Morgen aus, mal wieder), zwei Milchen und einen Kaffee nach oben, über meinem Arm hängen die gestern sicherheitshalber noch mal probierten schwarzen Hosen. Keine Ahnung, was ich gemacht hätte, hätten sie nicht gepasst. Was ich nicht habe ist des Lütten Fledermauskostüm. Argh. Ich serviere das Frühstück am Bett, der Lütte knabbert sein Knäcke und trinkt Milch, ich trinke Kaffee und mache mich dann weiter auf die Suche nach dem Kostüm.

7:00 Erfolg! Auf der Kommode in der Küche, unter dem Berg von Upcyclingstoffen mit dem ich gestern Abend noch gespielt hatte. Perfekte Tarnung.

7:07 Ich weiss das auch deshalb immer so genau weil der Lütte ein Ding mit der Uhrzeit hat und ständig auf meiner Digitaluhr nachschaut, wie spät es jetzt gerade ganz genau ist. Diese Uhr geht genau zwei Minuten vor und das stört in ungemein, manchmal zieht er diese zwei Minuten ab, damit alles seine Ordnung hat. Der Muckel muckelt sich wach, die Brüder brüdern herum, der Muckel trinkt seine Milch,

7:20 … wir stehen auf. Hochmotiviert ab ins Bad. Erst mal business as usual, es läuft auch ganz gut, einzig als mir ein fataler Anfängerfehler unterläuft und ich die Schminke schon vor dem Zähne putzen hervorhole, kommt es zu einer kleinen Krise: die Herrschaften wollen bitte danke SOFORT geschminkt werden. `türlich nicht, erst brav Beisserchen schrubben und alles mit Zahnpasta vollschmieren, DANN Gesicht waschen und DANN das frisch gewaschene Gesicht dekorieren. Leuchtet ihnen dann zum Glück doch schnell ein. Kann auch sein, dass ihnen einleuchtet, dass ich am längeren Hebel Schminkpinsel sitze und man mich deshalb nicht zu sehr ärgern sollte. Ist sogar ziemlich wahrscheinlich so, da muss man echt auf der Hut sein.

7:45 Ich schminke dem Lütten ein schwarzes Näschen und Smokey Fledermauseyes, der Muckel will auch. Ich bin begeistert. Ich frage ihn, ober doch auch eine Fledermaus sein will. „NEIN“. Okayokay. Ein Tiger? „JA“ Oha, cool! Ich schminke ihm so ein paar Striche in schwarz und weiss und ein schwarzes Nasendreieck und als ich ihm anbiete, das Tiger-Shirt anzuziehen, das ich vor zwei Jahren mal für den Lütten gemacht hatte, tigert (sic!) er los um es aus der Kommode zu holen. Wie sich die Dinge manchmal von alleine in Wohlgefallen auflösen, es ist phantastisch. Da sieht man doch gerne drüber weg, dass man auch für dieses Kind liebevoll ein schickes Fledermauskostüm angefertigt hatte.

…das übliche: Schneehosen, Jacken + Stiefel anpulen, alle Handschuhe, Schals, Mützen zusammensuchen, Schlüsselkontrolle, raus aus der Tür…

8:20 Ankunft im Kindergarten, dort alles sehr wuselig, wie gewöhnlich viele Spidermans + neu seit diesem Jahr auch viele Eisprinzessinnen. Ich helfe den Kindern aus den voluminösen Fahrradfahrerklamotten und ziehe dem Lütten das Fledermausgedöns über, das vorher nicht unter die Jacke gepasst hatte. Eigentlich wollte ich jetzt gerne noch ein Foto von den Beiden machen, geht aber nicht, denn der Lütte sprintet sofort los um sich seine Erzieherinnen genauer anzusehen. Die beiden Katzen schminken sich gerade gegenseitig. Ich fange den Lütten wieder ein, schleppe ihn samt Bruder zurück in den Flur. Normalerweise würde ich ja drauf pfeifen und hätte dann eben kein Foto, ich weiss aber genau, dass sie sich dieses Bild mit den frisch geschminkten Gesichtern, den Kostümen und der ausgeschlafenen guten Laune später in den Alben besonders häufig ansehen werden. Und ich auch. Und die Omas, Opas, Tanten + Großtanten werden nach genau diesem Bild fragen. Ich weiß auch, dass ich dieses Foto jetzt sofort in diesem Moment machen muss, denn beim Abholen später sind sowohl Schminke als auch ausgeschlafene Laune garantiert passé, die Kostüme bestenfalls nur bekleckert. Ich habe Glück: viel Licht, weißer Hintergrund und beide Jungs in Poserlaune. WOhow:

Ich liefere den Muckel in seiner Gruppe ab und dann aber schnell zurück nach Hause.

8:45 Kaffee. Smartphonegedaddel. Ich will das Foto direkt mal meiner kleine Schwester schicken, die schickt Neuigkeiten und Bilder selbstständig im ganzen Clan herum, das ist so ihre Art und für jemanden wie mich (schickt normalerweise nichts raus, ohne vier mal aufgefordert geworden zu sein) sehr praktisch. Mehrere Dinge hindern mich: a) keine Mails mehr auf dem Smartphone, das ist Absicht kommt mir aber jetzt gerade nicht gelegen. b) Keine Threema-Kontakte mehr seit dem Crash neulich. c) meine Schwester antwortet nicht auf meine sms, in der ich sie um Ihre Threema-ID bitte. Na gut. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

9:00 – 10:00 To-Do-Liste checken, das allernötigste im Haushalt, noch mehr Kaffee, Einkaufszettel schreiben…

10:00 Eigentlich wollte ich in der Kleiderkammer helfen, die ist aber heute kurzfristig geschlossen. Tja. Ich beschließe meine To-Do-Liste ab jetzt zu ignorieren + spiele weiter mit den Stoffen die ich mir gestern herausgesucht hatte, suche noch mehr raus, suche etwas bestimmtes, stoße auf die große Schachtel in die wir vor Weihnachten den Inhalt zweier ersteigerter Nähkästchen („Schatzkisten“, standen gelb lackiert unterm Weihnachtsbaum) gekippt hatten. Jetzt schön bröselig Knöpfe, Nadeln, Garne und Kurzwaren sortieren und sich dabei auch noch fühlen als hätte man etwas wichtiges erledigt. Perfekt.

Kurz vor 12:00: Meine Schwester schreibt: a) hatte sie überhaupt noch nie Threema und b) „morgen“ positiv, „gut“ negativ, gestern war „der Schmotzige“. Haha. Ich lasse sie in Frieden leiden, mache ich das mit dem Foto eben später am Notebook. Mein Blick fällt auf die Uhr…

12:00 Huch, schon? Schnell Efeu sammeln gehen und eine Wäsche anschmeißen. Noch mehr Kaffee. Schon mal ein paar der frisch sortierten Schätze verräumen.

12:40 Jetzt aber los. Oh es regnet. Noch mal rein, ich brauche ein Geschirrtuch, damit ich den Kindern später vor dem Kindergarten eine trockene Sitzbank im Fahrgastraum anbieten kann. So viel Mutterliebe muss sein, ich werde eh schon immer schief angeguckt, weil wir bei jedem Wetter mit dem Rad kommen.

12:50 Ich übernehme exorbitant gelaunte Kinder mit leicht derangiertem Äußeren. Sag ich doch!

13:10 Zur Tür rein, erst mal wickeln, dann begutachten, was sich in den bunten Tütchen befindet, die mir mit den Kindern ausgehändigt wurden. Seufz. Pixies + Wachsmalstifte von „Tedi“ + ominöse Plastikteile + Konfetti + Luftballons. Es hört sich immer so undankbar an, aber ich sehe da nur knallige Ansammlungen synthetisierten Erdöls. Ich weigere mich zu glauben, dass es gut ist für meine Kinder, so etwas gut zu finden. Ich puste die Luftballons auf (ok, die machen wenigstens Spaß!) und widme mich wieder dem Chaos auf dem Küchentisch.

14:00 Der Lütte wird maunzig. Ich vertröste ihn mit „nur noch schnell das hier weg bringen“, „nur noch schnell die Kartoffeln einweichen“, „nur noch schnell …“ Gerade als er um…

14:15 … die Schnauze voll hat von allem, was ich nur noch schnell erledigen wollte, kommt sein Papa nach Hause und übernimmt den Fall. Puh. Der Lütte lässt sich auf dem Sofa Bücher vorlesen, der Muckel kocht uns was leckeres in seiner Küche.

Unsere Küche endlich komplett aufräumen, Kram hoch, Kram in den Keller, bisschen was wegwerfen (ich genehmige mir dafür 2 Punkte auf meinem „366 Objekte ausmisten“-Kalender) Einkaufsgedöns einpacken, mit der Groszer einen Kaffee trinken…

15:30 … und es regnet. Gemüsegeschäft, Markt, Bücherhalle, Supermarkt.

16:55 Ich komme zur Küchentür herein und der Groszer schrubbt gerade die Kartoffeln zu Ende. Zum Glück, denn das wird jetzt alles ein bisschen knapp. Der Muckel fällt mir in die Arme und erzählt begeistert, dass er mit Papa staubgesaugt hat. Yeah! Ich hasse Staubsaugen und bin wirklich wirklich froh, dass DAS hier jemand anders macht. Der Groszer nämlich. Während ich mir also das Geplapper über den tollen Staubsauger anhöre und dabei so ganz froh bin, fällt mir auf, dass da einer fehlt. OH NEIN! Aus mit froh: der Lütte liegt auf dem Sofa und schläft. „Dinge die nicht passieren dürfen“: Mittagsschlaf. Ich fauche ein bisschen, der Groszer guckt hilflos, und klar, er hat auch recht, der Lütte ist ja ganz offensichtlich krank, was hätte er machen sollen, er weckt ihn auch ganz bestimmt gleich wieder auf.

17:00 Ich fange an zu kochen, Linseneintopf mit Wiener Würstchen. Ich koche immer noch ein bisschen mehr. Äußerlich das Abendessen, innerlich vor unterdrücktem Zorn. Der Groszer, der sonst IMMER dagegen ist, die Kinder auch mal extra hinzulegen, nicht dass sie dann Abends ewig brauchen oder gar Nachts länger wach sind. Dieser Groszer also erbarmt sich nicht, den Lütten endlich wach zu machen. Und das heute, wo ich dran bin, aber sowas von, der Herr Gatte muss nämlich noch mal los und ihich Allerallerärmste muss das dann ausbaden, wenn der Lütte sich jetzt hier ausschläft. Ich sehe mich schon bis 22:00 im dunkeln neben dem Lütten liegen, auf meinen Lippen zum 287ten mal „Auf der Schwäbischen Eisenbahn“.

17:30 Ich mache meinem Ärger Luft, der Groszer gibt sich einen Ruck und macht den Lütten wach. Er ist ein jämmerliches Elend, heiß und schlotternd. Ins Bett will er auf keinen Fall. Er nölt ein bisschen herum, dass er vorhin in meiner Abwesenheit so arm dran war, dass er seine Obstpause nicht wahrnehmen konnte. Weshalb er jetzt auch nicht vom Linseneintopf essen kann, er braucht erst einen Apfel. Und Birne.

17:35 Ich serviere Apfel, Birne, Linseneintopf. Der Lütte isst zwei Stückchen Apfel und wechselt dann doch zum Eintopf. Weiterhin gemaunze, die Kinder sind  völlig fertig. Trotzdem wollen sie auf gar keinen Fall jetzt schon zu Bett gebracht werden. Ich baue mir zügig einen großen Teller Linsen ein, ich bin wirklich sehr, sehr hungrig. Aufmerksamen Leser*innen könnte aufgefallen sein, dass das das erste ist, was ich heute an eigentlicher Nahrung aufnehme, meine Ernährungsgewohnheiten sind wirklich unter aller Sau und Milchkaffee die Droge meiner Wahl. Schnell noch das übriggebliebene Obst wegnaschen.

18:00 Der Groszer muss los.

18:15 Die Jungs betteln darum ins Bett gebracht zu werden. So sei es denn: Zähne putzen usw. usf. nur ein kurzes Buch.

18:45 Alles schläft einsam wacht. Die Wäsche in der Maschine fällt mir wieder ein. Erst mal einen Wäscheständer freilegen, frische Wäsche auf.

19:00 Jetzt aber Feierabend. Ich bin total versöhnlich drauf (siehe Uhrzeit) und texte der Groszer, dass alles friedlich verlaufen ist. Nicht, dass er den ganzen Abend ein von mir erfolgreich heraufbeschworenes schlechtes Gewissen mit sich herumschleppt. Erst mal noch mehr Linsen futtern.

Dann mache ich weiter mit meinen Nähprojekten, probiere ein bisschen herum, habe nicht so recht Lust den Computer anzumachen.

21:30 Alles andere wäre jetzt soweit fertig ich könnte jetzt a) schlafen gehen, b) ein Bildchen für #kritzelnzwosechzehn malen oder c) hey, heute ist ja der 5. ich könnte noch ein bisschen Tagebuchbloggen. Fällt mir ja früh ein.

c) also, aber zuerst: das Foto fällt mir wieder ein. Ich maile es dem Patriarchen und hoffe, dass er es verbreitet.

um 22:00 herum: Gerumpel über mir. Noch mehr Gerumpel. Ich gehe oben nachsehen ob bei den Jungs alles in Ordnung ist + alles scheint ruhig. Dann fällt mir auf, dass die Tür zum Kinderschlafzimmer weit offen ist. Ich schleiche mich hinein und tatsächlich, der Lütte schluchzt ein bisschen. Er hat mich im Schlafzimmer gesucht und weil ich nicht da war ist er zurück in sein Bett und hat sich dort versteckt. Auf meine Frage, warum er mich nicht gerufen hat, antwortet er mit: „Ich hab mich nicht getraut.“ Autsch. Wir kuscheln und besprechen das zukünftige Prozedere und ich nehme mir vor, mich in Zukunft noch ein bisschen mehr zusammenzureißen und es die Kinder nicht so merken zu lassen, wenn ich genervt bin. Dass mein Kind sich nicht traut, mich zu rufen, das finde ich schon sehr schlimm.

22:21 Der Lütte guckt auf meine Uhr.

22:22 Boah, cool! Die Zahl hat er so anscheinend noch nie gesehen, er ist hin und weg.

22:30 Umzug ins „große Bett“, vielleicht schläft er dann wieder ein?

22:45 Der Lütte dämmert herum, er erteilt mir aber die Erlaubnis kurz von seiner Seite zu weichen um das Notebook ins Bett zu holen.

22:50 Der Muckel ruft. (Oh gut, er traut sich noch.) Ich hole ihn zu uns. Mit tippen ist hier allerdings nichts, beide Jungs müssen angestrengt mit auf den blauen Bildschirm starren, ich versuche ihn so zu halten, dass sie ihn nicht sehen können und singe „Der Mond ist aufgegangen“.

23:30 Halleluja, der Groszer ist zurück. Er verschwindet im Bad und übernimmt, alle Drei schlafen sofort ein.

Tipperei. 1:09 Nachti, Nachti.

Ps: Mehr Tagebucheinträge auf goingweird.de oder natürlich auch in der offiziellen Sammlung.

 

2 Kommentare zu “Tagebuchbloggen am fünften Februar 2016

  1. „Der Muckel muckelt sich wach, die Brüder brüdern herum…“
    Ich liebe Deine Berichte!

    In unserer Kita hat eine Erzieherin jedes Kind bei Ankunft einzeln fotografiert, bevor es in den Partybereich durfte. Die sind so schön routiniert, weil sie schon seit vielen Jahren dort arbeiten. In den letzten sechs Jahren (mindestens) gab es da keine einzige personelle Veränderung, welch Segen!

    Bei uns gelten übrigens zwei goldene Regeln:
    1. Schlafende Kinder soll man nicht wecken.
    2. Spielende Kinder soll man nicht stören.

    Unsere Kinder müssen sich abends immer um dieselbe Zeit bettfertig machen, egal ob sie müde sind oder nicht. Wenn sie rechtzeitig fertig sind, bekommen sie noch „Abendprogramm“, also vorlesen oder einen kleinen, harmlosen Film (wir lieben die Sachgeschichten aus der Sendung mit der Maus, die gibt es kostenlos bei iTunes einzeln als Podcast). Danach dürfen sie sich im Bett noch Bücher ansehen/lesen, bis sie müde genug sind.

    Bei den Linsen musste ich so lachen. Ja, ich ernähre mich bis mittags auch nur von Milchkaffee. Manchmal esse ich noch Schokolade dazu. :-/

    Sei nicht so hart zu Dir selbst. Solange es Dir auffällt, dass Du ungerecht oder unwirsch zu den Kindern bist, ist es in Ordnung und Du kannst es ändern. Schlimm ist, wenn Leute solch ein Verhalten richtig finden und nicht ändern wollen.
    *umarm*

    Liebe Grüße,
    Henriette
    die letzte Woche mal wieder verpeilt hat, dass der fünfte ist

    1. Ach Mensch, danke Dir! Ich hab mir diese Woche am Sonntagabend eine große Gemüsepfanne gekocht und bis gestern davon gegessen. Mit Couscous. Sollte ich halt einfach mal jede Woche so machen.
      Liebe Grüße zu Euch!

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