Tagebuchbloggen am fünften April 2017

ca 6.30 Uhr Der Lütte kommt rum und kuschelt mich wach, aber nur kurz. Dann kuscheln wir gemeinsam kurz den Muckel wach, dann wollen heute alle schnell aufstehen. Ich bin etwas arg müde, nur mal kurz die Steuer fertig machen hat gestern doch wieder zu lange gedauert.

Badezimmer, das übliche Programm, in dessen Verlauf der Muckel nur zwei klitzekleine Totalausraster hat. Das ist gerade sein Ding. Wegen ALLEM was ihm gegen den Strich geht sofort total ausrasten, grob geschätzte 1487 mal am Tag. Einerseits nachvollziehbar, denn er ist noch klein und in seinem Hirn knirscht es gerade gewaltig, andererseits tritt das Ausrasten derart inflationär auf, dass ich es oft nicht mehr ernst nehmen kann und gar nicht mehr drauf reagiere.

6.50 Uhr  Die Kinder spielen noch eine Runde im Wohnzimmer, ich wärme mir den Rest Kaffee von gestern Nachmittag auf (früher dachte ich immer, das sei eklig, wie sich bei eingehenden Selbstversuchen aber herausgestellt hat, finde ich den Kaffee so sogar ebsonders deliziös) und gucke ob im Internet irgendwas drin steht, das ich dringend wissen müsste. Natürlich nicht.

7.10 Uhr  Wach und motiviert (um diese Zeit!?) baue ich schon mal mein Arbeitsgedöns für später auf. Theoretisch habe ich nämlich ein riesiges Arbeitszimmer unterm Dach, praktisch arbeite ich aber immer am Küchentisch. Vermutlich liegt das daran, dass ich oft auch weiter arbeite, wenn die Kinder später schon zu Hause sind. Dann spielen sie im Wohnzimmer und ich bin in der Küche und dazwischen ist ein großer Durchbruch, so dass man zusammen ist, auch wenn jede*r sein eigenes Ding macht. Jetzt kommen sie aber angelaufen, denn ich bereite schon mal ein Spulen mit dem aktuellen Unterfaden vor und umspulen ist anscheinend das tollste, was meine Nähmaschine zu bieten hat. Sie schauen mir eine Weile zu, gehen wieder spielen, dann ist es plötzlich

7.40 Uhr Fertig machen zum Ausrücken! Dick eingepackt in Wintersachen, die Übergangsjacken unterm Arm. Für später. Auch heute muss ich meine „blöde, alte“ Winterjacke nehmen, weil die Neue seit Tagen unauffindbar ist. Hoffentlich hab ich die nicht irgendwo liegen gelassen.

7.50 Uhr Kinderfahrrad ist angekoppelt, der Muckel ist angeschnallt, alle behelmt, kann los gehen.

8.00 Uhr Pünktlich zur Öffnung der Pforten.

8.20 Uhr Zurück zu Hause, erst mal noch mehr Kaffee kochen. Während der zieht wenigstens die Spülmaschine aus- und wieder einräumen. Könnte leicht sein, dass es das für heute schon wieder war mit Haushalt…

8.30 Uhr Ich mache jetzt dieses „morning pages“. Wehe Ihr lacht! Fing damit an, dass ich endlich das eine Buch von Irvine Welsh* gelesen habe, was hier ewig herum lag und in dem der eine oder andere Hype aufs Korn genommen wird. Da konnte ich noch drüber lachen. Ist ja auch wirklich nur so Stream of Consciuosness-mäßiges Seiten füllen. Hab ich im Alter von 15 bis 23 schließlich jeden Tag und irgendwie auch den ganzen Tag gemacht, bei mir hieß das „Büchle schreiben“. Dann geriet ich in die Fänge der Gastronomie und war eher so un-conscious, es hatte sich ausgestreamt und es gab nur noch äußerst sporadische Einträge. Egal, neulich also, als das hier langsam stressig wurde und eine allgemeine Lähmung durch Überforderung einsetzte, hab ich mich dran erinnert und mein aktuelles „Büchle“ wieder rausgekramt. Seit dem schreibe ich da jetzt jeden Morgen wenn ich die Jungs weggebracht habe was rein und ich stehe total drauf. Verleiht mir so eine gut sortierte Grundhaltung dem Tag gegenüber.

Blick in den Kalender: Für heute hatte ich mir vorgenommen die gestern angefangenen 50 Obstnetze fertig zu machen und drei Bestellungen gehen heute auch raus.

9.00 Uhr Die Nähmaschine läuft.

11.30 Uhr Alle 50 verbleibenden Nähte genäht. Langsam bekomme ich Hunger. Erst mal ein Brot machen. Erst mal doch kein Brot machen, weil Brot ist aus. Hrm. Dann gibt es wohl heute ausnahmsweise Spiegelei. Ohne was dazu. Ich nehme mir vor später Nudeln mit Tomatensoße zu kochen.

11.50 Uhr Kann weiter gehen. Wenden und Bändchen einziehen. Eher haptische Tätigkeiten bei denen nix schief gehen kann, da kann man sich gut nebenbei berieseln lassen + aus der Bücherhalle hab ich noch einen Film* da, der eh bald zurück muss, denn mache ich jetzt an. Von wegen Bücherhalle, muss der Film heute zurück? Gleich mal verlängern. Oh. Den Film muss ich erst Freitag zurück geben, aber die Kinder haben anscheinend noch ein Bilderbuch in ihren Beständen versteckt, das jetzt schon eine Woche überfällig zu sein scheint. Argh. Heute Nachmittag dann also Bücherei.

Fröhliches Wenden + Einziehen.

12.40 Uhr Hurtig, hurtig. Am Blick in den Briefkasten. Mir bleibt kurz das Herz stehen DER Brief ist da. Und er hat den richtigen Absender: der Lütte wird in die von uns gewünschte Schule eingeschult. Welches Profil steht in dem Wisch nicht drin, kann jetzt halt immer noch das eine oder andere weniger wunschgemäß verlaufen, aber die erste Hürde zur Deluxe-Grundschulzeit ist genommen und weniger nach unseren Vorstellungen wäre immer noch ganz okay. Ich bin halt nicht scharf auf den längeren Schulweg und ich will, dass er im Unterricht Theater spielen und ein Musikinstrument lernen darf. Englisch immersiv für 6-Jährige ist nicht so meine Cup-of-Ellenbogengesellschafts-Tea, aber wahrscheinlich ist das in Wirklichkeit eh ganz anders und eigentlich ganz schön?

12.50 Uhr Der Lütte fällt mir freudig in die Arme, er freut sich mich zu sehen. Der Muckel fällt mir schluchzend in die Arme, er hätte mich erst in 10 Minuten sehen wollen, denn er war noch nicht an der Reihe das heiß geliebte „Taschenlampenbuch“ anzusehen. Gut, dass nun ja für später eh ein Bibliotheksbesuch eingeplant ist, da kann ich direkt großzügig anbieten, dass er sich dort ein paar von den Teilen ausleihen kann. Kaufen kann ich ihm so etwas nicht, denn dann sind die Dinger immer da und werden nie zurück gebracht und leider nerven mich „interaktive“ Bücher an denen die Kinder beim Vorlesen mehr herrumfummeln als dass sie zuhören. Das Versprechen zeigt schnell die gewünschte Wirkung. Manchmal hat man einfach Glück.

Als wir endlich draußen sind verkünde ich dem Lütten die Entscheidung der Schulleiter-Konferenz und er freut sich. Er wollte auch schon länger gerne mal wissen, wo es im September dann für ihn weiter geht.

Brot kaufen im Supermarkt (unschön, aber beim Bäcker brauche ich es um diese Zeit nun wirklich nicht mehr zu versuchen) und ab nach Hause.

Die Kinder spielen, ich wische auf dem Telefon herum, Emails und so. Die Dame die uns die Sandalen für den Muckel verkaufen soll hat geantwortet. Sind noch da + sie verschickt sie auch. Zum Glück. Der Muckel kann nämlich ungünstigerweise nicht immer die Schuhe seines großen Bruders übernehmen, weil er latent kleinere Füßchen hat, als sie der Lütte im entsprechenden Alter zur entsprechenden Jahreszeit hatte. Blöd für uns, gut für meine kleine Schwester: wir können dem Neffen so ein lückenloses Sortiment weitervererben.

Ich mache die letzten Obstnetze fertig und verpacke die Bestellungen. Das dauert etwas länger, der Muckel ist ja jetzt wieder in da house und da muss ich dann doch ab und an mal nachsehen ob die Geräusche die er so macht auf schwere Verletzungen oder sehr schlimme Ungerechtigkeiten (letzteres oder auch beides vom großen Bruder zugefügt) zurückzuführen sind. Meistens nicht. Manchmal doch. Die spielen „wer sich schneller mit Anlauf auf´s Sofa schmeißen kann“.  Meistens hat der Muckel sich irgendwo leicht getoßen, die beiden sind irgendwie kollidiert oder er echauffiert sich darüber, dass IMMER der Lütte gewinnt. Hach ja nun.

14.45 Uhr Wir erwischen der Groszer im Büro, erzählen ihm die tollen Neuigkeiten und verabreden uns für später zur Apfelpause auf dem Platz vor der Bücherhalle. Ich jammere ein bisschen herum, dass es saukalt ist draußen und dass meine neue Winterjacke verschwunden ist. Wie sich jetzt herausstellt, ist sie gar nicht verschwunden. Mein Mann hat sie seiner eigenen Logik folgend („Garderobe ist übervoll, die Jacke mit dem größten Volumen muss entfernt werden“) an die Ausweichgarderobe im Kickerzimmer gehängt. Meiner eigenen Logik („warum sollte jemand die Jacke, die zur Zeit am häufigsten gebraucht wird an die Ausweichgarderobe umgesiedelt haben?“) folgend habe ich dort nicht nachgesehen, auch nicht als der Lütte mir mehrfach vorgeschlagen hatte, das zu tun. Klassischer Fall von selbst schuld. Ich muss ganz schön lachen.

15.07 Uhr Gerade als ich meinen ganzen Kram endlich geschafft habe, kommen die Jungs wieder an. Unten am Sofa ist die eine Stange aus der Halterung gerutscht. Seufz. Ich bin schon etwas ermattet und außerdem fällt die Wartung des Sofas nach Möglichkeit in des Groszers Ressort, denn er hat das Schweden-Trumm mit in die Ehe gebracht. Darum darf er sich später kümmern, die Chaoten schicke ich schon mal zum Schuhe anziehen in den Flur, dann wasche ich ein paar Äpfel und packe sie samt scharfem Messer zur Post und dem inzwischen aufgespürten Bilderbuch.

15.30 Uhr Bücherhalle. Rückgabe, Schulden begleichen. Die Jungs sichten den Bestand an Taschenlampenbüchern, ich stelle erfreut fest, dass der Bücherflohmarkt aufgebaut ist. Ich finde fünf Kinderbücher „für später“, darunter zwei Harry Potter-Bände auf Englisch. Die sind vielleicht eigentlich für mich selbst, denn ich hatte damals irgendwann nach dem dritten Band glaube ich aufgehört das weiter zu verfolgen. Das ist so absurd, das traut man sich kaum ins Netz zu stellen, solche Sachverhalte.

16.01 Uhr Ich bitte die Kinder zur Ausleihe, ziehe die Karte durch, der Muckel legt sein Buch auf das Induktionsfeld, der Lütte… ist verschwunden. Hatte vergessen, sich zu entscheiden. Himmel. Ich ziehe die Karte durch, der Lütte legt sein Buch auf´s Induktionsfeld… der Muckel läuft davon, er hatte DAS FALSCHE Buch ausgeliehen. Ich ziehe die Karte durch, wir leihen ein drittes Taschenlampenbuch aus.

16.10 Uhr Der Groszer hat uns draußen nicht vorgefunden und kommt uns drinnen abholen. Ich freue mich immer sehr, ihn zu sehen, aber manchmal freue ich mich halt noch ein bisschen mehr. Heute zum Beispiel.

16.20 Uhr Apfelpause draußen auf der Bank an diesem neckischen erhöhten Rasenelement, das da letztes Jahr aufgebaut wurde.

16.35 Uhr Ich nehme die Helme und die Fahrräder, der Groszer nimmt die Kinder und den Bus. Dann bin ich schneller und kann noch zehn Minuten unbehelligt zu Hause dumpf herumsitzen.

Ich fahre auf den Hof, grüße den Nachbarn der mit einem fremden Typen in seiner Einfahrt am schnacken ist und schnell nach hinten durch, alles auseinanderklamüsern und ab in die Garage. Gerade als ich die Türen verriegle glaube ich meinen Namen zu hören. Ich beschließe da nicht drauf zu reagieren, denn a) wollte ich doch Pause machen und b) gehört der Typ nicht mehr zu meinen Lieblingsnachbarn seit er ein mal eine meiner Erziehungsmaßnahmen den Jungs gegenüber mit „die Weiber wieder“ kommentiert hat. Sorry, nicht sorry, damit hat er sich für immer disqualifiziert.

16.45 Uhr Ich werfe alles Zeug in den Flur und sinke mit Buch auf einen Küchenstuhl. Grade aufgeschlagen, da klingelt es. Mist. War wohl doch wichtig. Der „Fremde“ ist vom Wasserverband und er wollte anscheinend eigentlich zu uns, hat niemanden vorgefunden und ist dann nebenan gelandet. Der Arme. Geht um den Zustand unserer Gräben / Wettern. Die müssten mal freigelegt werden, damit bei Niederschlägen das Wasser von unseren Grundstücken weggepumpt werden kann. Sonst läuft es, so wie neulich, in unseren Keller. Das ist eher nicht so toll und deshalb hatte der Groszer auch Kontakt mit dem Verband aufgenommen. Der Typ sagt, er hat sich alles angeschaut, das geht jetzt seinen Gang. Ich artikuliere meine Begeisterung darüber und verspreche das auch an meinen Mann weiterzugeben. Wir verabschieden uns. Fünf Minuten später kommt der Groszer zur Tür rein, liefert die Kurzen bei mir ab, sagt er muss noch mal raus, da ist so ein Typ vom Wasserverband… HABEN DIE DEM JETZT AUCH NOCH AUFGELAUERT? Und warum klingeln die zwei Typen mich extra raus, wenn sich eh noch mit dem Haushaltsvorstand besprochen werden muss?

17.10 Uhr Der Groszer taucht wieder auf. Die Sache geht übrigens jetzt ihren Gang. Ach. Echt?

Mir fällt ein, dass der J. gefragt hatte, ob wir uns Tiger Girl anschauen wollen und der kommt morgen raus. Den will ich schon unbedingt sehen. Ich rufe ihn an, Montag kann er nicht, der Groszer ruft mir zu, dass ich Freitag nicht kann (warum eigentlich?), aber hey, wie wär´s mit gleich morgen? Yo. Ich bin dann zwar noch müder wegen Tagebuchbloggen, aber was soll´s. Man muss auch unter Leute.

17.20 Uhr Ich raffe mich auf und fange an zu kochen. Der Groszer inspiziert den Schaden am Sofa. Voll gut: er setzt nicht nur die Stange wieder ein, er findet in dem Zug auch heraus, wohin die große Schraube gehört, die neulich im Wohnzimmer gefunden wurde.

18.00 Uhr Mahlzeit!

19.00 Uhr Eine Runde Gute-Nacht-Knuddeln, die Jungs gehen nach oben, der Muckel hat ein Taschenlampenbuch unter den Arm geklemmt.

Handygedaddel. Tipperei. Der Groszer kommt zurück, ein bisschen Konversation, er liest, ich tippe noch mehr, er geht früher schlafen, wir vertrösten uns auf Montagabend, dem nächsten Termin zu dem wir beide keine anderweitigen Verpflichtungen / Pläne haben, ich tippe noch, Feierabend.

Hier ein wahlloses Bild der Kinder wie sie gerade nicht das Wohnzimmer zerlegen:

Hier noch mehr Fünfte bei uns, hier noch mehr Fünfte bei anderen Leuten.

*Partnerlinks zu Buch7.de, mit der Bitte um verantwortungsbewussten Umgang!

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3 Kommentare zu “Tagebuchbloggen am fünften April 2017

  1. Einen schönen Tag hattet ihr und Danke für die Anregung mal wieder den ganz normalen Alltag festzuhalten, auch wenn er gestern etwas stressig war.
    Liebe Grüße nach Hamburg

  2. Aufgewärmter Kaffee? Ich bin sehr skeptisch! Aber bei mir bleibt auch nie ein Rest ;) Meine Mutter hat den Restkaffee vom morgen nachmittags dann immer kalt getrunken, das finde ich noch suspekter (das war ja auch vor dem Hipster Cold Brew Gedöns)

    Sei lieb gegrüßt!

    1. DU hast mich doch erst auf den Gedanken gebracht. Du hattest behauptet, Cold Brew wäre lecker + hätte seine seinen eigenen Reiz. Hab ich direkt hier mit Restkaffee ausprobiert (kommt manchmal vor, dass die erste Kanne morgens nicht reicht und nachmittags eine zweite her muss und die wird dann aus Gründen der Restvernunft nicht komplett geleert…) und tatsächlich ist der Fall ähnlich gelagert. Mein Papa trinkt auch später kalt was seine Töchter tagsüber so in der Kann vergessen. Ziemlich grenzwertig.

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