Tagebuchbloggen am 5. – viel zu erledigen

Irgendwann mitten in der Nacht. Der Muckel ruft, ich mache mich auf den Weg zu ihm. Im Flur kommt er mir entgegen und wir stoßen zusammen. Ich soll zu ihm kommen. Dann will er doch mit „ins große Bett“. Wir gehen rüber. Doch in seins. Wir kuscheln uns gerade unter seine Decke da denkt er noch mal drüber nach: Ins große Bett.

Irgendwann später mitten in der Nacht. „Warum schleppen die unser Fahrrad ab“. Der Lütte hat anscheinend einen Alptraum, lässt sich aber zum Glück schnell davon überzeugen, dass unser Fahrrad heile in der Garage steht.

Morgens. Keine Ahnung wie spät es ist, denn meine Armbanduhr ist kaputt aber eins steht fest: der Muckel ist wach. Wir stehen auf, ich mache ein paar Sachen falsch („ICH wollte meine Socken holen“, „nicht DIE Hose“ einigen uns dann aber doch noch. Ich verarzte den krassen Bienenstich an seinem Bauch neu („ich wollte mich in der Wiese rollen“) dann zieht er sich an und ich gehe mein Telefon suchen. Wie spät es wohl ist?

Es ist 6:41 Wir machen uns soweit fertig, dann kuscheln wir denn Lütten wach. Der Lütte ist ja meist sehr kooperativ, so auch heute und die Dinge gehen zügig von statten.

7:20 Sogar noch ein bisschen Zeit über. Die Jungs spielen, ich mache + trinke Kaffee. Weil seit gestern dieses Snapchat für die Generation Ü23 Teil von Instagram ist, beschließe ich das mal anzutesten. Ich lade ein Bild von meinem Kaffee hoch. Kein Witz.

7:50 Abmarsch. Auch davon lade ich ein Bild hoch.

8:05 Kindergarten. Beide Jungs sind jetzt in einer Gruppe und es ist fantastisch. Könnte natürlich auch daran liegen, dass zwar gerade „nur“ zwei Erzieherinnen da sind, diese sich aber auch um nur fünf Kinder kümmern müssen. Alle anderen haben große Geschwister und machen Ferien. Weil alles so chillimillie ist trödeln wir bei der Übergabe ein ziemlich herum. Auch mal schön. Sonst ist hier immer Rock´n Roll mit 23 Kindern die gleichzeitig gebracht werden.

8:25 Zurück zu Hause. Erst mal richtig wach werden und mich sortieren. Ich trinke Kaffee, daddle auf dem Telefon herum und stelle dabei fest, dass ich das eine Bild vorhin wohl doch nicht erfolgreich hochladen konnte. Das üben wir wohl besser nochmal.

9:00 Langsam laufe ich außerhalb des gesicherten Moduses. Ich gucke auf die Todo-Liste in meinem Kalender. Ernsthaft? Was hat mich denn da gestern geritten als ich mir DAS ALLES vorgenommen habe. Egal, die letzten Tage bin ich eh sehr erledigungswütig und ich beschließe zumindest zu versuchen die Liste abzuarbeiten. Erst mal ein Foto davon hochladen.

Dann fix die über Nacht gewaschene Wäsche aufhängen (wir waschen jetzt immer über Nacht, der Stromsee), noch ein Müsli für später anrühren (so ähnlich wie „Overnight Oats“ nur dass ich es halt einfach den Vormittag über herumstehen lasse) Treckingrucksack, Handy, Roman, Bücherhallenbücher etc.pp zusammensuchen und…

9:35 mit dem Rad zur Bahn. Oh. Schienenersatzverkehr. Eigentlich wusste ich das. Egal, der Bus kommt direkt. Im Bus lese ich („El crimen del cine oriente“ von Javier Tomeo, scheint leider keine Deutsche Übersetzung zu geben, aber wenn Ihr Spanisch lest: sehr gutes Buch, spielt im Raval). Selbstverständlich lade ich ein Bild davon hoch. Ich beginne mich zu fragen ob man das tatsächlich so macht: den Tag über eine Menge belangloser „Momente“ hochladen und hoffen, dass daraus irgendwie eine „Story“ wird, die dann auch tatsächlich jemanden interessiert?

9:50 Inzwischen sitze ich in der S21 nach Altona und mir dämmert, dass ich ja zu letztem Monat meine Abokarte gekündigt hatte. Shit. Hektisch beginne ich die Bezahlfunktion in der HVV-App einzurichten. Hätte ich auch schon längst mal machen können. Als die Handytastatur zum dritten Mal abstürzt (nur bei dieser App, dafür jedes verfluchte Mal) finde ich zumindest endlich heraus wie sich der Bug umgehen lässt und schon in der Holstenstraße (Anmerkung für Nicht-Hamburger: eine Station vor dem Ziel) gelingt es mir, eine Fahrkarte zu erwerben.

10:15 Bahnhof Altona. Als ich 2000 zum ersten Mal in Hamburg war (Katholikentag, lange Geschichte) war das unsere Basisstation. Als ich 2005 hergezog konnte ich mich dort direkt immer noch zurechtfinden, es war lediglich nötig irgendwie eine Sichtachse zum Restaurant mit den goldenen Bögen herzustellen und man wusste direkt wie sich die verschiedenen Ausgänge zu ihr verhalten. Seit einigen Monaten ist dem nicht mehr so. Sichtachsen sind jetzt passé. Was mich allerdings erfreut: endlich keine Baustelle mehr. Schon schöner, wenn man keine Angst haben muss, dass einem etwas auf den Kopf fällt. Wie durch ein Wunder finde ich einen Weg durch das Labyrinth generischer Fastfoodanbieter und ich nehme mir fest vor ihn mir für die Zukunft zu merken. Spoiler: hat nicht geklappt.

10:25 Ich erreiche mein Ziel, den Secondhandshop des DRK. Auf der Einkaufsliste stehen:

  • Schwarze Shirts um meine Experimente im Bereich selbst genähte Unterwäsche fortsetzen zu können
  • Einen gestrickten Baumwollpullover in einer hübschen Farbe, den ich auftrennen und das Garn dann zu Socken verstricken kann
  • Jeans für die Kinder: stehen immer auf der Liste, die Beiden strapazieren ihre Hosen heftiger als ich sie flicken kann, da muss von Zeit zu Zeit doch etwas ganz ersetzt werden
  • Textilien aus 100% Baumwolle die über kurz oder lang Verwendung im Rahmen dieses Projekts hier finden könnten

Ich finde eine Kinderjeans, mehrere schwarze Shirts, drei großartige Vorhänge in einer tollen Farbe mit vielen schicken Holzknöpfen, mehrere Jeans aus reiner BW (werden seltener), einen hell-türkisen Baumwollpullover, ein paar Einzelteile in Farben die mir besonders gut gefallen, ein bisschen besonders tolles Stickgarn und einen großen Stickring (hi Anna, Du kannst aufhören zu suchen, ist Deiner). Der Klamottenberg ist wenig fotogen aber ich habe seit über einer Stunde nichts gepostet. Während ich auf die Kassiererin warte, drapiere ich einzelne Teile auf dem Tresen, mache ein nettes Foto und lade es hoch.

11:15 – Schnell zurück, es gibt immer noch viel zu tun.

Irgendwo zwischen Hauptbahnhof und Hammerbrook: hupsi, kein Ticket. Jetzt habe ich das mit der Buchung aber schon voll drauf, eine Sache weniger Sekunden.

11:45 – Bei der Ankunft am S-Bahnhof sehe ich schon die Uniformierten. Ich freue mich total, dass ich tatsächlich, quasi in letzter Minute noch an das Ticket gedacht hatte und will es zücken, da fällt mir auf, dass die Typen von der Hochbahnwache sind und es auf den 13er Bus nach uns abgesehen haben. Was soll man denn jetzt davon halten?

11:50 – Bücherhalle. Ich gebe ein paar Bücher zurück und frage Frau B. ob denn eventuell noch mehr Urmelgeschichten im Bestand seien. Der Lütte konnte sich neulich sehr für eine Bilderbuchausgabe von „Urmel im All“ begeistern. Sie sucht sich ein bisschen durch den elektronischen Katalog und stellt fest , dass „Urmel und die Schweinefee„* verfügbar sein müsste. Gemeinsam blättern wir uns durch die Bilderbuchkästen und werden des Buches schnell habhaft. Noch ein mal „Mama Muh„* für den Muckel (er fährt voll auf die Krähe ab) und `nen Film für die Großen*.

12:10 Ich wünsche ein frohes Wochenende und rausche in Richtung Fahrrad.

12:11 Wie konnte ich vergessen den „Moment“ festzuhalten. Nochmal kurz zurück und ein Foto gemacht, im rausgehen hochgeladen. Die Bibliothekarinnen wundern sich nur ein bisschen über mich.

12:25 Waschmaschine mit der Beute beladen, Efeu dazu stopfen, alles wieder herausnehmen: die Holzknöpfe. Holzknöpfe abschneiden, Waschmaschine wieder beladen, Wäsche vorprogrammieren auf heute Nacht um eins.

12:35 Kaffee trinken, auf dem Telefon getippsle. Feststellen, dass @jesuishuck Ihre neuen Wattepads aus KbA-Baumwolle vorgezeigt und damit ganz schön dolle Werbung für mein neues Baby gemacht hat. Denise + Inka haben den Shop neulich auch schon auf ihren Blogs erwähnt und das alles freut mich schon sehr. Es rührt mich auch ein bisschen. Danke Ladies, auch denen die es schon seit einer Weile analog weitersagen. Ich hab ganz schön Glück mit meinen (Internet-)Freunden.

12:47 Vor lauter Rührseligkeit und Freude nicht vergessen die Kinder abzuholen.

ca. 13 Uhr Ich bin eine brave Mama und mache auf Wunsch meiner Kinder am Spielplatz halt. Tatsächlich ist die Sonne inzwischen hinter den Wolken hervorgekommen und ich muss zugeben, dass es ein ganz netter Moment ist. Ich würde ihn auch festhalten, allein, ich bin mal wieder ohne Telefon unterwegs. Anfängerfehler.

ca 13:35 Wieder zu Hause im Garten. Ich würde gerne die eine oder andere Kleinigkeit erledigen aber der Muckel ist heute irgendwie besonders muckelig drauf. Könnte mit dem Bienstich und/oder der möglicherweise daraus resultierenden spitzenmäßigen Nachtruhe zusammenhängen. Der Lütte reißt sich derweil die Klamotten vom Leib und befüllt das Planschbecken.

Genau 14:00 Uhr Wind kommt auf und es fallen erste Tropfen. Ich raffe Gartendecken und -kissen, halbgetrocknete Wäsche, verstreute Klamotten und Kinder zusammen und verfrachte alles in die Garage. Wir warten kurz ab aber da der Regen noch zuzunehmen scheint beschließen wir, dass es wohl okay sei den Rest des Tages drinnen zu spielen. Inzwischen habe ich einen Bärenhunger und esse das Müsli mit vorhin draußen gesammelten Mirabellen. Dann ein paar Vorbereitungen für eine Einkochsession später. Die Kinder räumen ihren Kram im Wohnzimmer auf damit sie dort eine große Eisenbahntrasse verlegen können. Ich verschütte fast mein Kochwasser als ich das mit dem Aufräumen mitbekomme.  Foto der spielenden Kinder hochgeladen.

15:30 Der Groszer trifft ein.

Ich mache mich daran eine Runde Mirabellenmus einzukochen. Läuft eigentlich ganz gut bis ich „nur noch mal kurz“ hochschalten will. Schnellkochtöpfe haben ja so ganz prima Sicherheitsventile, zu denen das pürierte Gargut herausgesprüht kommt sollte man den Topf a) latent zu hoch befüllen und b) durch übermäßige Zuführung von Wärme zu großen Überdruck erzeugen. BAM! Ich mache kein Foto der klebrigen Sauerei. Während ich versuche das schlimmste aufzuwischen, fluche ich wie ein Bürstenbinder und ich weine auch ein bisschen: eigentlich hatte ich es eilig.

16:30 Das Mirabellenmus ist fertig, fotografiert und gepostet. Die Küche geht so. Ich verlasse den Tatort um den Wocheneinkauf zu erledigen.

Türkisches Gemüsegeschäft, Markt, Supermarkt. Foto vom beladenen Fahrrad hochgeladen.

17:45 Schnell durch den Garten flitzen und noch ein paar Kräuter einsammeln, zurück an den heimischen Herd, Abendessen kochen: es gibt Linseneintopf. Zum Glück hat der Groszer schon die dazugehörigen Kartoffeln geerntet, geschrubbt und zerteilt. Bleiben für mich noch die Feinheiten, trotzdem dauert das heute alles ziemlich lange. Vielleicht weil ich nebenbei noch eine Schüssel Guacamole fertig mache oder weil die Einkäufe ja noch verräumt werden müssen oder… was weiss ich. Vielleicht auch weil ich noch jeweils ein Foto der Kocherei und ein Foto der Guacamole poste.

18:30 ´n Guten!

19:00 Abmarsch in Richtung Badezimmer/Betten. Der Groszer darf das heute abwickeln, ich komme kurz mit hoch und versorge den Bienenstich nochmal. Sieht echt fies aus, der Muckel tut mir wirklich leid. Hoffentlich entwickelt sich das bis morgen zum Positiven, alles andere wäre auf´s Wochenende ja auch besonders fies für alle Beteiligten. Unten mache ich kurz Pause, schleiche dann zurück und mache ein Foto des Zubettbring-Prozederes.

19:30 Klar Schiff in der Küche und Liegengebliebenen Kleinkram abarbeiten. Foto von der aufgeräumten Küche posten.

ca 21:00 Chips, Guacamole, Bier, Sofa, Film**, Tipperei.

Gute Nacht!

Tagebuchbloggenam5ten

Ps: Das neue Feature scheint nur in der App direkt verfügbar zu sein. Hier ein kleines GIF für den Fall, dass Ihr mit Instagram nix am Hut habt, die Bilder aber trotzdem sehen wollt. Schätze ich diesen neumodischen Schnickschnack (hier Stimme Eurer Uroma imaginieren) eher nicht so häufig nutzen aber mal war´s ganz witzig.

Falls Ihr noch mehr Fünfte nachlesen wollt geht es hier entlang, oder schaut Euch doch auch mal hier die große Sammlung bei Frau Brüllen an.

 

*Buch7-Partnerlink. Ihr wisst wie das läuft. Buchhändler*innen in Eurer Stadt nicht vergessen!

**Eigentlich wollte ich den Ulmen blöd finden, weil er neulich Werbung für Billigfleisch gemacht hat. Beim Ausleihen hatte ich das aber vergessen (verdrängt?) und natürlich war der Film ganz prima. Keine Sensation aber sehr gute Unterhaltung und selbstverständlich hervorragend gespielt. Verdammt.

 

 

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5 Kommentare zu “Tagebuchbloggen am 5. – viel zu erledigen

  1. Hallo und guten Morgen,
    Bin gerade beim Zeitung lesen auf deinen Blog gestoßen (Artikel in der MAZ). Gefällt mir gut hier, vor allen Dingen der konsequente upcycling-gedanke. Da bin ich nicht ganz so gut, bemühe mich aber. Deine großartige wandgesraltung mit den papprahmen habe ich direkt gleich weiterverbreitet und würde sie ein mir auch umsetzen. Klasse.
    Einen schönen Tag und beste Grüsse
    Bea (ex-hamburgerin)

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