Tagebuchbloggen am Fünften – Februar Zwosiebzehn

7:15 Just in dem Moment in dem ich aufwache, weil ich mal dringend woanders hin müsste, fliegt die Schlafzimmertür auf und der Lütte entert das Geschehen. Er freut sich nicht, dass ich jetzt erst mal nicht zum Kuscheln zur Verfügung stehe und nimmt mit seinem Bruder vorlieb.

7:30 JETZT will niemand mehr mit mir kuscheln, die wollen jetzt alle aufstehen. Ich darf weiter schlafen, was ich schon auch ziemlich okay finde.

9:00 Der Muckel weckt mich mit einem Küssi und leistet mir beim wach werden, aufstehen und fertig machen Gesellschaft. Als wir kurz darauf in die Küche kommen starten der Lütte und der Groszer gerade das Frühstück. Alle frühstücken, außer mir. Ich muss mich deshalb jetzt auch endlich nicht mehr schuldig fühlen, denn ich habe endlich eine Studie gefunden, die mit mir einer Meinung ist. Ich trinke Kaffee und wir besprechen die Pläne für den Tag: Schwimmbad!

9:27 Mir fällt ein, dass heute der Fünfte ist und dass dann eventuell Tagebuchbloggen angesagt sein könnte. Cool, EINMAL passiert das so rechtzeitig, dass ich eine reale Chance habe diesen Plan auch umzusetzen.

9:55 Die Kinder puzzlen, der Groszer sortiert Wäsche und ich habe einen mittelschweren Aufräumanfall. Vermutlich verursacht durch die Aussicht gleich mal mein tatsächliches Leben unter Kontrolle bringen zu müssen und wie ein vernünftiges Elter mit den lieben Kleinen an einem schönen Sonntag morgen das Schwimmbad zu besuchen. Ich prokrastiniere also schön konstruktiv vor mich hin, finde sogar halbwichtige Unterlagen wieder von denen ich mich schon gefragt hatte wo sie sich wohl befinden könnten und mir fallen ein paar Dinge ein um die ich mich die kommende Woche kümmern muss. Trage ich direkt in mein „schlaues Buch“* ein.

10:32 Wir sollten dann demnächst mal los. Ich esse zwei Marmeladenbrote und trinke noch mehr Kaffee. Eigentlich habe ich immer noch keinen Hunger aber uneigentlich bin ich nicht so blöd mit leerem Magen schwimmen zu gehen.  Die Jungs packen derweil die Schwimmtasche.

11:00 Ich werfe auch noch drei Teile in die Tasche, kann los gehen.

11:05 Wir ziehen die Tür hinter uns zu und der Muckel informiert uns darüber, dass er eine frische Windel braucht. Argh. Das Ding bringt er in letzter Zeit täglich. Der Groszer übernimmt das, der Lütte und ich gehen schon mal in den Garten. Ich sammle direkt mal eine Portion Efeu und deponiere sie vor der Waschmaschine, der Groszer hatte erwähnt, dass er später noch eine Trommel anwerfen will.

11:11 Jetzt aber. Wir rennen zum Bus und der Busfahrer wartet sogar ein klitzekleines Bisschen auf uns.

11:35 Wir  sind seit etwa zwei Minuten im Wasser und der Lütte merkt an, dass er Ohrenschmerzen hat. WHAT? Ich frage ihn seit wann denn genau und er antwortet „seit dem Aufstehen“. Ehm. Wir besprechen erst mal, dass er uns in Zukunft bei Schmerzen im Allgemeinen direkt Bescheid gibt und bei Ohrenschmerzen vor dem Schwimmen im Besonderen sogar ganz unbedingt BEVOR wir los gehen. Seufz. Direkt nach Hause will er nicht, wir testen das wärmere Kursbecken an und er blüht auf. Scheint okay zu sein.

Wir planschen also so herum, üben Schwimmen, der Muckel macht auch schon fleißig mit und ich phantasiere mir schon zurecht wie fabulös das wäre, wenn die Beiden tatsächlich in einem Aufwasch den Dreh herausbekommen könnten! Nie wieder Schwimmflügel! Naja. Vermutlich illusorisch. Das Kind ist erst dreieinhalb. Schätze wir sprechen uns in ungefähr einem Jahr wieder zum selben Thema.

12:50 Abmarsch. Im Bus sitzt neben mir ein junger Mann Typ „langhaariger Bombenleger“ und allem Anschein nach war er auf dem FlohZinn und hatte Flohmarkt-Glück: oben aus seiner Tasche guckt ein LP mit spannendem Cover. Da steht „Deodato – Also sprach Zarathustra“ was jetzt auf auf eine Symphonie von Strauss oder ein Dings von Nietzsche hinweisen könnte, die ganze Gestaltung ist aber eher so Fraktus-mäßig. Auf keinen Fall darf ich später vergessen herauszufinden, was es damit auf sich hat. Den ganzen Heimweg über murmle ich unauffällig „Zarathustra“ vor mich hin.

13:11 Zu Hause. Stifte, Papier! Ich schreibe „Zarathustra“ auf den Wisch auf dem ich mir die Notizen zum Tagebuchbloggen mache und spüre wie sich der Krampf in meinem präfrontalen Cortex spontan löst.

Der Lütte sackt in sich zusammen und muss sich ein Nest auf dem Sofa einrichten. Der Muckel hat jetzt auch schlimme Ohrenschmerzen (ist klar) und muckelt sich dazu. Weil wir auf die Wissenschaft vertrauende Ökohippies sind, schneide ich ein Zwiebel klein, packe das Zeug in ein Restchen Gaze und (w)ringe dem ganzen mühselig ein paar Milliliter Zwiebelsaft ab, dabei fluche ich leise vor mich hin, weil ich es IMMERNOCH nicht gebacken bekommen habe endlich eine Knoblaupresse zu beschaffen. Damit ginge das vermutlich dezent leichter. Ich lasse dem Lütten drei Tropfen von dem Zeug ins Ohr laufen**, beim leidenden Muckel täusche ich nur an.

Der Groszer backt Pfannkuchen, der Muckel (er ist spontan genesen) schaut ihm zu. Er merkt an, dass er und sein Stuhl großen Hunger haben. Zum Glück aber hat sein Stuhl keinen Mund, sonst würde er sich auch nicht drauf setzen, nicht dass er noch von ihm gefressen wird. Später machen der Geschichtenerzähler und ich Tischdienst. Der Lütte macht ein Nickerchen.

13:45 Mittag: Pfannkuchen mit Apfelmus.

14:00 Der Lütte landet erst auf meinem Schoß und dann auf dem Sofa. Wir kuscheln herum, er döst, ich lese. Zwischendurch stellt er fest, dass sein Herz „Oh Du Fröhliche“ singt/puckert. Okayyyy? Ich horche nach, wir müssen ganz arg lachen.

15:00 Schichtwechsel, der Groszer ist mit der Wäsche fertig und übernimmt meinen Platz auf dem Sofa. Vorleserei. Ich suche erst einmal ein paar Sachen für die Arbeit zusammen, denn gestern Abend hatte ich zum aller-ersten Mal eine „Großhandels“-Bestellung und ich bin ganz schön aufgeregt deshalb (hier bitte ein kleines Kreischen mit Freudentänzchen imaginieren). Anscheinend habe ich fast alles fertig da, morgen noch zwei Stunden Produktion, dann kann ich die Ware sogar direkt rausschicken. Bis eben hatte ich den Verdacht, dass ich ganz vielleicht noch kurzfristig Material nachbestellen sollte… ich mache mir eine Notiz, dass ich daran dann aber wenigstens nächste Woche rechtzeitig denke. Wieder beruhigt sortiere ich endlich mal den großen Berg Stofftaschentücher den ich neulich für unsere Sammlung ersteigert hatte. Seitdem war 1/3 des Sofas nicht besitz- oder eher bespielbar. Ein erfreulich hoher Anteil ist intakt, den Rest fange ich direkt an zu stopfen. Hab ja nicht schon 287 andere Projekte angefangen herumliegen, aber was soll´s, es passt grade so gut in diesen sich trödelig entfaltenden Nachmittag.

16:07 Obstpause! (= Kaffee für alle über 30!)

Puzzle, Wäsche, Dösen, Taschentücher dazu das erste Hörspiel hier im Haus zum ersten Vorlesebuch mit richtigen Kapiteln: Das Urmel aus dem Eis. Ich sag nur: „Wie eiskalt ist der Eisberg, der Eisberg wird zu Wasser, und davon wird das Wasser leider nur noch nasser.“

Kurz nach 18:00 Huch, schon Abendbrotzeit? Der Lütte ist immer noch so matt, er überlässt sogar seinen Tischdienst dem Muckel. Der Groszer schneidet Brot, ich „koche“: die Reste der Gemüseplatte von gestern landen im Linseneintopf von vorgestern et voilà: eine schmackhafte Mahlzeit.

Wir essen nicht lange, da hab ich schon wieder das kranke Kuschelchen auf dem Schoß. Wird Zeit, dass der Tag ein Ende findet. Um 18:50 trägt der Groszer den schon halb eingeschlafenen Lütten nach oben, der Muckel folgt ihnen unauffällig. Ich quetsche noch ein bisschen Zwiebelsaft aus, suche die Nasentropfen raus, gehe „Gute Nacht“ sagen, der Groszer „ist dran“ und liest noch vor.

19:00 Internetgedaddel, klar Schiff in der Küche. Als ich den Zwiebelmatsch beseitige fällt mir die Knoblauchpresse wieder ein. Ich starte eine Suche im allseits bekannten Onlineauktionshaus. Die Ergebnisse zeigen viele Knoblaupressen und – es fällt mir wie Schuppen von den Augen – EINE SPÄTZELDRUCK. Wie sich jede*r treue Leser*in denken kann, liegt dieses Gerät hier vor. Ich ärgere mich ganz kurz, dass ich da nicht eher drauf gekommen bin, dann freut sich die Minimalistin in mir, dass wir kein zusätzliches Trumm anschaffen müssen. Die Schwäbin in mir feixt, die denkt wahrscheinlich auch, dass man mit einer Spätzledruck bewaffnet die Welt retten könnte***.

19:45 Der Groszer ist zurück, beide Jungs einigermaßen normal eingeschlafen. Das lässt hoffen, normalerweise sind solche Episoden dann am nächsten Tag erledigt. Hoffen wir es, ich hatte als Kind ein paar richtige Mittelohrentzündungen und ich kann mich gut daran erinnern, so entsetzlich war das.

Der Groszer hängt NOCH eine Wäsche auf, ich nehme mir dringend vor, die nächste zu machen. Dann widmet er sich den Falten in seinen Arbeitshemden. Ich wäre gerne großherzig genug um auch das öfters zu übernehmen, allein… manchmal ganz selten ziehe ich es durch. Ich bin doch auch immer so krass beschäftigt!

Ich öffne das Laptop, rufe den Blog auf, da fällt mir auf: den ganzen Tag kein Foto gemacht. Ich Dilettanten-Bloggerin. Merke: Kein Blogpost ohne Bild, das liest sonst keine*r und dann kann man sich die Mühe auch gleich sparen. Ich gucke mich um, das einzige was jetzt noch sichtbar von unserem Sonntag zeugt ist der Stapel mit den gestopften Taschentüchern. Eins ist noch nicht ganz fertig und muss jetzt als Motiv herhalten. Ich kämpfe sehr mit dem Kunstlicht und den Einstellungen unserer neuen Kamera, zwischendurch dachte ich schon ich hätte ein brauchbares Ergebnis, war sogar schon bei Instagram hochgeladen – sah dann doch scheiße aus. Schnell wieder gelöscht. Peinlich, peinlich. Weiterfluchen und dann gab es doch noch ein halbwegs aussagekräftiges Bildchen:

Ich lade das Bild hoch, bearbeite es fast zu Tode, fange an diesen Text zu tippen, stoße auf „Zarathustra“, finde folgendes: Das Stück ist ein Funk-Version (wtf?) der Strauss-Symphonie und ich kenne es schon (wtff?) und Ihr auf jeden Fall auch, denn es ist das „Theme“ von 2001: A Space Odyssey. Ich liebe das Internet. Sehr.

Euch liebe ich auch alle, weil anscheinend habt Ihr bis hier hin mitgelesen und dann ist es auch okay, dass es jetzt schon

02:19 ist. Gute Nacht zusammen!

Mehr Fünfte von uns hier, die große Sammlung von den verschiedensten anderen Leuten hier.

 

* Von meinem Vater geprägte Bezeichnung für rege benutze Taschenkalender. Dreimal (sic!) dürft Ihr raten warum?

**Unsere betreuende Frau Dr. der Pädiatrie B. sagt, das ist das was man bei Ohrenschmerzen erst mal tun sollte. Unsere Schwägerin Frau Dr. der Oto-Rhino-Laryngologie C. sagt, dass man das auf gar keinen Fall machen darf. Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt und glauben der Frau Dr. B.

***Wenn man sie wirft … so ein, zwei aktuellen Diktatoren an den Kopf, vielleicht…halt mal: wir verherrlichen hier keine Gewalt. Sorry.

12 Kommentare zu “Tagebuchbloggen am Fünften – Februar Zwosiebzehn

  1. Ey! Ich lese auch Blogbeiträge ohne Bilder. (Außerdem hatten meine letzten drei alle keins. Aber lieber einen ohne Bild raushauen als gar keinen, so zumindest meine Logik.)
    Urmel war übrigens mein Lieblingsvorlesebuch als Kind. Meine Mutti hat sich immer sehr viel Mühe bei den jeweiligen Sprachfehlern der Tiere gegeben (Alles ist so pfön in meiner Mupfel!). Hach!

    1. Das ehrt Dich, das mit der Bilderpolitik. Tatsächlich lese ich Deine Beiträge auch ohne Bilder, gebe Dir also vollumfänglich Recht! Meine Eltern haben es da mit dem Vorlesen auch so gehalten, mein Papa scheint bis heute unfähig das Wort Muschel ohne PingPinguins Sprachfehler auszusprechen.

  2. Ebenfalls imaginäres Freudentänzchen aufgeführt!
    Zum Feierabend schön gelacht! Am meisten zum **!
    Vielen Dank, dass ich daran teilhaben darf.
    Liebe Grüße und bis Freitag

    Ps.:Ich kann das Bild übers Tablet nicht sehen :-(

  3. Ich hab nicht mal gecheckt dass ganz unten noch ein Bild folgt! :D Aber es ist toll geworden mit verstecktem #iseefaces!
    Und: Besser ein Post ohne Bild als gar kein Bild. So wie bei mir seit geraumer Weile. *tüdeldüü*
    Hoffe dem kleinen Mann geht es inzwischen wieder gut!
    Liebe Grüße! :)

    1. JETZT seh´ ich es auch! Und hey: mach doch auch mal einen „Fünften“!
      Dem Lütten ging es dann erst mal noch ein bisschen mittelblöd aber Mittwoch war es überstanden. Da waren wir dann doch erleichtert, er und ich. :-D

  4. Ach Nike, ich freu mich immer, wenn Du am Tagebuchbloggen teilnimmst. Ich finde das ausgesprochen spannend und unterhaltsam :)
    Und Bilder habe ich auch die ganze Zeit nicht vermisst, ist mir gar nicht weiter aufgefallen…
    Liebe Grüße auch an die Herren! :*

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