Grün: Haste kein Auto, dann haste halt kein Auto.

Wir haben kein Auto. Als Familie. Freiwillig. Als der Lütte kam, haben wir uns keines gekauft (obwohl das irgendwie jeder erwartet hatte) & auch mit Kind II hegen wir keine Pläne in dieser Richtung. Ich selbst hatte auch noch nie eines. Wohl aber der Groszer. Vor fünf Jahren, wir wohnten in Hamburg-Eimsbüttel, hat er es abgeschafft. Es wurde einfach nicht benötigt & selbst wenn es von Zeit zu Zeit bequem gewesen wäre, damit zu fahren, so haben wir es doch häufig auch dann stehen lassen, zu groß die Gefahr bei der Rückkehr keinen legalen Parkplatz mehr ergattern zu können. Neulich kam ich irgendwie mit Kleinodia auf dieses Thema & ich versprach, Ihr mal so aufzuschreiben, wie wir uns organisieren:

Zu allererst: eigentlich ist das ja keine große Sache. Millionen von Menschen in Deutschland haben kein Auto. Häufig obwohl sie gerne eines hätten. Sie kommen zurecht. Wir persönlich kommen sogar sehr gut zurecht. Wir wohnen in Hamburg. Fast mitten drin in der Stadt & gut angebunden an den öffentlichen Nahverkehr. Alle Geschäfte mit Annehmlichkeiten des täglichen Lebens sind fußläufig erreichbar. Auch die meisten Ärzte, zu den restlichen kommt man ganz gut mit der S-Bahn. Seit neuerem ist unsere S-Bahnhaltestelle sogar barrierefrei & macht es uns auch mit dem Kinderwagen sehr einfach. Der Groszer pendelt täglich nach Bremen mit der Bahn. Die hat auch mal Verspätung, dafür steht er nie im Stau. Für Möbelkauf/Baumarktbesuch/Sperrmüll wegbringen/Urlaub leihen wir uns ein Auto. Dabei haben wir verschiedene Möglichkeiten: Carsharing (sehr günstig, leider zur Zeit keine Station in unmittelbarer Nähe, aber immer noch optimal für einen kleinen Ostseeurlaub oder größere Ausflüge), normale Autovermietung, direkt beim Bau- oder Möbelmarkt. Oder sehr großzügig: der Kombi der Schwiegermutter. Letzteres häufig in Verbindung mit Babysitting. Ginge auch ohne, ist aber natürlich sehr angenehm. Wir wissen das zu schätzten und revanchieren uns gerne mit Arbeitseinsätzen aller Art. Bei Bedarf ein Auto zu leihen kann auf den ersten Blick sehr teuer anmuten: an einem Tag sind mit Kilometern + Sprit schnell mal 60 – 70 Euro weg (Wochentarife für den Urlaub etc. sind übrigens wesentlich günstiger!). Aber dann ist eben auch schon getankt. Keine Anschaffungskosten. Keine Reparaturen. Keine Versicherungen. Keine Stellplatzkosten. Nix. Das sind viele tausend Euro im Jahr, die man nicht ausgibt. Da kann man sich den Transporter für den Besuch beim Schweden dann schon leisten (der hat dann wenigstens auch die passende Größe ; ). Was auch drin ist: das Taxi, wenn man mal keine Lust hat den Bus zu nehmen. Oder Versandkosten auf Dinge die man dann einfach liefern lässt.

Was wir uns auch so hätten leisten können:Bakfiets, Cargobike, Grün, Fahrrad, Christianiarad, Christianiabike, Lastenfahrrad, Leben Ohne AutoEin richtiges Bakfiets. DAS war mal eine gute Anschaffung. Und jetzt kommt der Teil des Posts, ab dem ich unbezahlt aber hemmungslos Werbung mache: JEDER sollte eines haben. Stadt, Land, flach, bergig, Großfamilie, Singlehaushalt, Garage, draußen anketten…: Für jeden gibt es das passende Lastenfahrrad. Weil wir zuerst zögerlich waren (bei der Probefahrt hatte ich auch noch ein ganz komisches Gefühl, das Lenken an der Stange war sehr ungewohnt, das gibt sich übrigens nach zwei weiteren Fahrten oder so), was die Investition angeht, haben wir z.B. ein ganz einfaches, eher preiswertes, klassisches Bakfiets. Reicht auf der flachen Insel völlig. Schnittigere Modelle sind zweirädrig & haben kleinere Fahrgastzellen zwischen Sattel & („normalem“) Lenker. Hier mal voll beladen:Bakfiets, Cargobike, Grün, Fahrrad, Christianiarad, Christianiabike, Lastenfahrrad, Leben Ohne Auto(Gott, so viel Verpackungsmüll!)

Die große Tasche lässt sich ganz klein zusammenfalten und ist immer dabei. Wenn wir mehrere Geschäfte nacheinander besuchen können wir unsere Einkäufe darin mit Schloß & kleiner Kette ein– und ans Fahrrad anschließen. Quasi unser Kofferraum. Und klar, damit fahren wir auch bei schlechtem Wetter los. Im Herbst/Winter (oder im Mai 2013) plant man dann halt besser. Und klar, damit könnte man auch Getränke kaufen. Haben wir uns aber eh weitestgehend abgewöhnt. Das solltet Ihr, ob mit Auto oder nicht, auch tun. Und zwar deshalb.

Wir schließen für uns den Besitz eines Autos in der Zukunft nicht völlig aus, mögliche Gründe dafür sehen wir im Moment aber nicht so wirklich. Falls Ihr über die Anschaffung / Abschaffung eines Automobils nachdenkt fließen viele Faktoren wie Wohnort, dessen Anbindung, persönliche Bedürfnisse, die gesamte Lebenssituation in Eure Entscheidung ein. Das kann ja alles wirklich sehr unterschiedlich ausfallen. Was ich Euch jetzt aber so aus unserer Erfahrung in insgesamt 5 Jahren, davon 2 mit Kleinkind, in der Mietwohnung & auch im Einfamilienhaus sagen kann: In der Hauptsache ist es eine Frage der Gewohnheit & das Auto trägt Dir die Sprudelkiste auch nicht in den 3. Stock. Und wenn de kein Auto hast, haste ne Menge Knete für andere tolle Sachen übrig.

14 Kommentare zu “Grün: Haste kein Auto, dann haste halt kein Auto.

  1. Ich hab ja auch keins. Und erschwerend kommt dazu: ich hab noch nicht mal ein Fahrrad (wobei das vermutlich nicht ewig so bleiben kann). Gut, ich muss auch nur für mich und maximal eine andere Person einkaufen, hab die U-Bahn quasi vor der Tür und fahre eh nicht gern selbst (ob ich das überhaupt noch kann wage ich zu bezweifeln). Und ich hab gern keins: keine doofe Parkplatzsucherei, kein Ärgern über andere Autofahrer. Und die Kohle haue ich dann für Urlaub und Taxifahren raus ;)

    Außerdem gibt’s schon genug Autos in der Stadt ;)

  2. Na, der Artikel kommt ja passend. Nach meinem kein-Taxi-mit-Kindersitz-Reinfall habe ich mir nach langer Suche vor zwei Wochen nun doch ein Auto zugelegt. Ich hatte ja immer gehofft, wir schaffen es ohne zweites Auto, aber auf dem Land sind die Voraussetzungen wohl doch etwas anders. Hier fährt der Bus viermal am Tag. Für die Schulkinder. Im Winter konnten wir dadurch nicht mal in die 2 km entfernte Stadt zum turnen, weil der Fußweg 2 m hoch mit Schnee zugeweht war und das fahren auf der Bundestraße bei dem Wetter mit Kind hinten auf dem Fahrrad für mich nicht in Frage kam.
    Ich genieße nun meine neue Freiheit und gebe das Geld jetzt wieder für das Auto, statt für andere schöne Sachen aus…
    Du kannst echt froh sein, dass ihr so schön wohnen könnt und trotzdem alles vor der Tür habt.

  3. Hui, danke für die vielen Infos.
    Bei uns ist von der Anbindung her ähnlich wie bei euch. Alleridings dauert mein Arbeitsweg mit der Bahn knapp 45 Min. und mit dem Auto 10.
    Einkaufen könnten wir sogar ausschließlich fußläufig.
    Und jetzt steht auch noch eine größere Autoreparatur an. :( Alles nicht so motivierend die Karre zu behalten. Ich muss mal ernsthaft mit dem Liebsten reden..

    LG

    kleinodia

  4. Wenn es nach mir ginge, bräuchten wir auch kein Auto. Und zur Zeit haben wir auch nicht wirklich eins. (Das bisherige ist nicht mehr straßenverkehrstauglich und das neue muss noch gekauft werden.)
    Ich bin auch davon überzeugt, dass man ohne (eigenes) Auto leben kann. Diese Lastenräder finde ich auch gut. Allerdings zu unflexibel für meine/unsere Zwecke. Daher haben wir einen Fahrradanhänger mit Kofferraum. Mit dem erledigen wir auch unsere Einkäufe. Der mini-monsieur ist zum Glück auch ein begeisteter Radler.
    Ich muss allerdings sagen, dass ich das Radfahren in Hamburg sehr anstrengend finde. Das Radwege-Netz ist extrem schlecht für eine so große Stadt. In Frankfurt fiel uns das Radfahren noch leichter. Da konnte ich auch mit dem Rad zu Arbeit, was ich sehr vermisse.

    1. Gott, ja, in Hamm war das auf dem (beosnders auf dem Hammer Steindamm) auch ein echter Alptraum, übel…Allerdings war dort alles derart nah beieinander, dass wir wirklich jeden Einkauf nebenbei erledigt haben. Hier auf der Insel ist radwegtechnisch alles halbwegs auf dem Laufenden, da fahren wir schon jeden Tag & oft auch nur so zum Spaß. Insgesamt ist Hamburg aber sehr auf den motorisierten Individualverkehr fixiert, das ist leider kein subjektiver Eindruck deinerseits.

  5. Das Fahrrad ist ja der Hammer!
    Ich hab ein Auto – war wegen dem Arbeitsweg einfach notwendig. Ansonsten wäre es gerade in Wien locker ohne möglich! Was man sich und der Umwelt erspart…

    LG Mary

  6. Wir haben zwei (schäm). Es ist Luxus.
    Wir haben auch ein Backfiets (http://ichlebe-jetzt.blogspot.de/2013/01/von-kutschen-und-anderen-transportmiteln.html) und ich finde es ganz toll. Allerdings ist es für mich sehr schwer es voll beladen (mit 3 Kindern und Einkäufen) zu steuern. Wenn ich Einkaufe, muß ich immer einen steilen Berg runter und sterbe tausend Tode bis ich sicher unten bin.
    Aber ich versuche trotz Autos so viel wie möglich zu Fuß zu erledigen. Schon allein deshalb, weil es den Kindern und mir gut tut in Bewegung zu sein.
    Ganz ohne Auto könnte ich mir nicht vorstellen. Vielleicht wenn die Kinder mal größer sind und ich keine zehn Hände brauche um sie zu bändigen.
    Ansonsten versuche ich mit anderen Müttern Fahrgemeinschaften zu bilden wo es geht.
    Aber meine Fahrgewohnheiten sind sicher noch stark zu verbessern.
    Liebe Grüße
    Suse

  7. ich finde das ganz toll dass ihr kein auto braucht. ich selber hab auch keins. muss aber zugeben dass ich sehr gerne wieder eines hätte. aber in wien ist das auch eher eine belastung als eine freude und da ich mitten im zentrum wohne wäre es auch wirklich unnötig. ich hoffe auf jeden fall dass ihr noch lange auskommt ohne eigenes auto.

  8. Uff, ich komme mir grade etwas dekadent vor. Wir haben zwei Autos. Und jeder ein Fahhrad. Ich könnte zwar mit dem Bus zur Arbeit – aber nicht mehr zurück. Denn die Verbindung ist so besch… dass ich eine Stunde brauche. Und die reicht nicht für die Zeit zwischen Arbeitsende und Kitaschließzeit. Der Mann muss das Tochterkind morgens in die Kita bringen und dann weiter zur Arbeit – das ginge zwar mit dem Fahrrad, ist zeitlich aber auch knapp.
    Irgendwie blöd – früher hatte man das auch nicht. Und dieses Parkplatzsuchen nervt auch irgendwie. Trotz Haus haben wir nur einen Stellplatz, der zweite muss suchen. Und außer zur Arbeit und zur Kita benutz ich mein Auto auch nie, da geh ich lieber zu Fuß, ist ja alles erreichbar. Ich hoffe auf Besserung im nächsten Jahr, da geht die Schule los, und die ist genau gegenüber :-)
    P.S.: Bekannte von uns haben vier Kinder und kein Auto, nur so ein Lastenfahhrraddings, jetzt schäm ich mich aber erst recht…
    LG, Jovila

  9. Ich habe auch kein Auto. Ok – ein halbes vielleicht. D.h. mein man ist in Besitz eines Geschäftswagens, weil er ziemlich viel unterwegs ist. Ansonsten bräuchten wir auch keins. Ich arbeite ca. 50m Luftlinie von unserer Wohnung. Mein Mann macht (wenn er nicht gerade auf den Baustellen unterwegs ist) Home office. Da wir direkt in der Stadt wohnen, können wir zu Fuß einkaufen gehen.
    Praktisch wird ein Auto, wenn wir unseren Schutt von der Baustelle wegbringen, neues Baumaterial beschaffen oder übers Wochenende weg wollen. Hier im Süden ist die Bahnverbindung nicht immer optimal. Notfalls könnten wir aber auch Autos von den Eltern leihen…
    Fazit: Wir bräuchten keins – da wir aber eins „gestellt“ bekommen, ist es sehr praktisch :)
    Herzlichst Juliane

  10. Ich fins immer witzig, wenn die Leute denken „die Flausen“ werden dann schon aufhören wenn Kinder da sind. Ich hatte erst gestern eine witzige Situation. Eine Bekannte meine „Waaaas? Ihr habt keine Badewanne? Aber wie badet ihr denn euer Kind?“ Als ich meinte „in der Dusche“ starrte sie mich vollkommen irritiert an.
    Ihr habt keine Auto – na und?

    1. Hihi, das kenne ich auch. Wir haben auch keine Wanne (ganz bewusst aus mehreren Gründen). Das Kind liebt zu duschen.
      Badewanne ist so ein Ereignis, das es bei Oma gibt.

  11. Das Parkplatzproblem kenne ich zu gut – hier mitten in Köln – gerade am Abend – eine ziemlich nervige Angelegenheit. Es gibt Tage, da suche ich länger nach einem Parkplatz, als ich Zeit benötigt habe, von A nach B zu kommen. Interessant ist auch das Phänomen: ich fahre fünf Mal um den Block, um dann am gefühlten Ende von Köln zu parken. 10-15 min. zu Fuß nach Hause können schonmal vorkommen. Aber wehe, ich trete meinen Fußweg an – da sind die freien Parkplätze (meist sogar fast vor der Haustür).
    Das Lastenfahrrad haben wir auch mal probegefahren. Ich muss zugeben, ich bin nicht wirklich gut damit zurecht gekommen. Allerdings hätten wir auch das Problem der Unterstellmöglichkeit gehabt.
    Nochmals liebe Grüße von Steffi

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